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KI: Die größte Disruption seit der Druckerpresse - Transforming Media beschäftigt sich mit Künstlicher Intelligenz in den Medien

05.06.2019 | 32 / 2019

Medien erfolgreich neu denken bedeutet heute, die Grenzen zwischen Branchen, Fachgebieten, Medienformaten aufzubrechen. Unter dem Motto „Breaking Borders“ thematisierte gestern die Konferenz Transforming Media, wie die Medienbranche die Herausforderungen einer durch Künstliche Intelligenz (KI) geprägten Zukunft meistern kann. Etwa 100 Teilnehmer informierten sich über Medieninnovationen, die gewohnte Genregrenzen und Wirkungsweisen sprengen, und neue Geschäftsmodelle auf Basis von KI.

„Medienschaffende müssen über Grenzen springen, mit anderen Wirtschaftsbereichen zusammenarbeiten, immer wieder den Kampf um die Gunst der Hörer, der Zuschauer, der Konsumenten aufnehmen", betonte Siegfried Schneider, Präsident der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM) in seinem Grußwort. Die Medienwelt stehe in Zukunft vor einigen Herausforderungen. Ein entscheidender Faktor im Kampf um die mediale Vorherrschaft sei der Besitz von Daten und vor allem der sinnvolle und verantwortungsvolle Umgang mit diesen Daten, so Schneider.

Warum KI weder neu ist, noch wieder weg geht, sondern vielmehr ein großes Potenzial für die Medienbranche der Zukunft bietet, erklärte Mustafa Isik, Gründer von Kerngedanke, in seiner Keynote. „Terminator ist gar nicht so weit weg." Das solle nicht erschrecken, sondern vielmehr klarmachen, welche Vorteile sich durch die neue Technologie ergeben. Um diese Vorteile aber auch nutzen zu können, müsse man sie auch einzusetzen wissen.

Die Zukunft der Medien sah Julia Leeb, Fotojournalistin und Filme­macherin, vor allem in personalisiertem Zugang zu Inhalten und in der Verknüpfung verschiedener Medienformate bis hin zu Virtual Reality (VR). Gerade die Generation Z habe einen völlig neuen Zugang zu Medien, durch ein Verschwimmen der Mediengrenzen und die Verbindung verschiedener Formate könne auf diesen eingegangen werden. Aufgabe des Journalismus sei es, zu informieren, nicht Meinungsmache zu befeuern.

Dem Thema KI im Redaktionsalltag widmete sich Florian Stickel, Chefredakteur Microsoft News Deutschland. Für ihn ist KI „die größte Disruption seit der Druckpresse“ für die Medienwelt. „Wird sie Jobs übernehmen, die wir jetzt machen? Natürlich“, so Stickel. Vor allem im Bereich Recherche könne KI helfen. Oder aber vorhandene Daten in lesbare Texte übertragen – eine Aufgabe, um die sich Journalisten nicht sehr reißen.

Um KI, die Emotionen und Gefühle lesen kann, ging es im Vortrag von Dr. Michael Bartl, Geschäftsführervon Tawny. „Digitale Systeme werden in der Lage sein, die Emotionen von Menschen zu erkennen.“ Bereits jetzt existieren verschiedene Funktionen, etwa die, die Grundemotionen erkennen. Aber auch über Herzfrequenz, Körperwärme oder andere Merkmale des Körpers kann KI den psychischen Zustand des analysierten Menschen ablesen.

In der Panel-Diskussion zum Thema „BREAKING INTERDISCIPLINARY BORDERS“ diskutierten Angela Kesselring, Süddeutsche Zeitung, Dr. Michael Bartl, Tawny, Florian Stickel, Microsoft News Deutschland, und Jessica Rabl, brainboost, darüber, wie Medienhäuser innovativer werden und warum Kollaborationen hierfür eine große Rolle spielen. Ein offenes System sei Grundvoraussetzung für innovatives Arbeiten, so Bartl. Nicht nur hausintern, sondern auch durch die Zusammenarbeit mit Startups oder über Branchen hinweg mit anderen Industrien. Bei Microsoft habe man die Bereitschaft zu wachsen, zu lernen und Fehler zu machen, meinte Stickel – aber nur, wenn man sich dadurch weiterentwickelt. Nicht nur auf die Score Card zu schauen, sei für das Unternehmen die Haupt-Zutat gewesen, die den Kulturwandel und die Wahrnehmung durch die Außenwelt bewirkt hat. Auch bei der SZ spüre man einen solchen Kulturwandel, erklärte Kesselring und betonte: „Wir leben in schönen Zeiten der Transformation, weil da ganz viele Felder sind, die man gestalten kann.“

Warum das Auto der Zukunft ein Mediendevice ist, erklärte Jim Sengl vom MedienNetzwerk Bayern. „Innovation funktioniert dann am besten, wenn Menschen miteinander sprechen“, so Sengl. Der wahre Gamechanger für die Medienwelt sei das autonome Fahren. Gerade im Bereich Audio ergeben sich zahlreiche neuen Möglichkeiten für die Medien. Etwa durch 360-Grad-Sound und Sprachsteuerung. 

Wie KI in der politischen Kommunikation eingesetzt werden kann und unter welchen Umständen man davon Abstand nehmen sollte, zeigte Ingo Butsch, Consulting Creatives. Er habe ein geplantes Fake-Video-Experiment in diesem Kontext nicht umgesetzt. Ausschlaggebend dafür seien die nicht vorhandenen Regeln für Künstliche Intelligenz gewesen. Solange diese noch nicht festgesetzt sind, sei es schwierig, ein solches Projekt moralisch und ethisch zu vertreten, so Butsch. Frei nach dem Prinzip „Was du nicht willst, dass man dir tut“, habe er sich dagegen entschieden, die Idee umzusetzen. „Wir wollten nicht die Tür zu Deep Fake und politischer Kommunikation aufstoßen.“

Die Auswirkungen von KI auf den Journalismus beleuchtete Peter Welchering. Journalisten, so Welchering, setzen KI effizienzsteigernd, aber viel zu unkritisch bereits im Alltag ein. Abwehrreaktionen der Journalistenverbände auf KI-Entwicklungen seien aber der falsche Weg. Dadurch würden die Hauptaufgaben von Journalisten, zu informieren, einzuordnen und aufzuklären, nicht erfüllt. „Wir müssen uns auf die Grundlagen einer wertgebundenen journalistischen Arbeit zurückbesinnen.“, betonte Welchering.

Bevor der Tag mit dem Blitz-Workshop „Design-Thinking on a napkin“ in die letzte Runde ging, stellte Rebekka Schmidt, Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Fraunhofer SCS, das offene Innovationslabor JOSEPHS vor. Mitten in Nürnberg bietet das JOSEPHS den Raum, Zukunftsfragen zu gestalten und in einem Test-Space Produkte oder Lösungen gemeinsam mit Kunden zu entwickeln. Bereits genutzt wird das JOSEPHS von den Nürnberger Nachrichten. Hiervon berichtete Chefredakteur Michael Husarek. Im JOSEPHS haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unter anderem neue Formate entwickelt, das Leserforum auf- und ausgebaut, Podcasts gestartet und das Lokale als Geschäftsmodell für sich entdeckt.

Zusammenfassend wurde deutlich: Medienmacher dürfen keine Angst vor der KI und vor der Zukunft haben. „Ich glaube, wir müssen radikaler werden, in unserer digitalen, aber auch menschlichen Denke. Uns besinnen, für wen wir das alles machen“, so das Schlusswort von Moderator Richard Gutjahr zum Transforming Media-Tag.

Weitere Informationen zur Veranstaltung sowie Fotos und Videos finden Sie unter: https://transformingmedia.de/


Kontakt:
Medientage München
Kerstin Grünewald
presse@medientage.de
www.medientage.de