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Bericht des Präsidenten zur 25. Sitzung des Medienrats am 07.05.2026

07.05.2026 | 25/2026

- Es gilt das gesprochene Wort! -

TOP 5    Bericht des Präsidenten

Einmal mehr möchte ich meinen Bericht mit dem Thema Künstliche Intelligenz (KI) beginnen.

Eröffnung KI.M-Medienstudio in der BLM

Mitte April konnten wir – einige von Ihnen waren ja dabei – in der BLM das neue Medienstudio des KI-Reallabors vom KI-Kompetenzzentrum Medien (KI.M) eröffnen. Präsentiert wurde ein einzigartiger Experimentier- und Innovationsraum für Künstliche Intelligenz (KI). Am Beispiel von zwei Ideen für Prototypen konnte man erleben, was bereits machbar ist:

So wird etwa in Zusammenarbeit mit zwei Verlagen gerade die Machbarkeit eines agentischen KI-Reiseberaters erprobt. Dieser kann auf sämtliches Verlagsmaterial zugreifen und gibt eine verlässliche Information, ohne den freien Zugriff auf die eigenen Inhalte einzuräumen. Um eine Simulation menschlicher Interaktion ging es im zweiten Beispiel: Mittels KI werden synthetische Fokusgruppen für den Test und die Validierung von Content-Konzepten gebildet – über Personas, die bestimmte Zielgruppen repräsentieren, und vom Film-Treatment bis zum Videospiel alles bewerten.

Einen „Innovationsbooster für die Medienbranche in Bayern“, nannte denn auch Medienminister Dr. Florian Herrmann das KI-Reallabor und betonte seine Bedeutung für Bayern. Das KI.M ist auf unsere Initiative gemeinsam mit der Medien.Bayern GmbH entwickelt worden und wird – gefördert durch die Bayerische Staatskanzlei – unter dem Dach der Medien.Bayern organisiert. Das Reallabor ist nun ein räumlicher Ableger unmittelbar in der BLM.

Auch für mich markiert die Eröffnung des neuen Medienstudios einen zukunftsweisenden Schritt für den Medienstandort Bayern. Denn Medienhäuser brauchen beim Thema KI Antworten auf die entscheidenden Fragen: Was funktioniert wirklich? Was ist rechtlich möglich? Und: Wie wird aus einer Idee eine Anwendung mit echtem Mehrwert?

Das KI-Reallabor des KI.M ermöglicht den Praxistest. So können gerade auch kleinere und mittlere Medienunternehmen Chancen realistischer einordnen. Das – und die Überzeugung, dass die Zukunft der Medien nur mit Innovation und Verantwortung gelingt – machen das KI.M einzigartig.

KI-Checkliste des Mediendatenbeauftragten bei der BLM

Wer KI verantwortungsvoll nutzen will, muss Technik, Praxis und Recht von Anfang an zusammen denken. Während sich das KI-Reallabor auf die Praxis fokussiert, legen wir in der BLM einen großen Schwerpunkt auf die rechtssichere Anwendung.

Schließlich ist es ein zentrales Anliegen der BLM, Künstliche Intelligenz auch für lokale Medienhäuser konkret und rechtssicher anwendbar zu machen. Ein Hemmnis für den Einsatz von KI im Arbeitsumfeld ist der Datenschutz. Hier bringt ein neues Merkblatt des Medienbeauftragten für den Datenschutz bei der BLM konkret und kompakt Aufklärung.

Das Merkblatt funktioniert wie eine Checkliste und richtet sich an Medienunternehmen, vor allem an die bei der BLM zugelassenen lokalen Anbieter. Es beantwortet Fragen wie: Wann darf ich KI einsetzten? Welche Daten darf ich in ein KI-System eingeben? Oder: Ist es möglich, dass jemand anderes das, was ich eingegeben habe, wieder aus der KI herausholt?

Die Checkliste ist online unter www.blm.de abzurufen.

Medientage-Special AI & Media

Kurz berichten möchte ich außerdem vom neuen MTM SPECIAL AI & MEDIA in der Hochschule für Fernsehen und Film München (HFF München) am 21./22. April. Damit haben die MEDIENTAGE MÜNCHEN dem Thema Künstliche Intelligenz und dem damit einhergehenden, geradezu disruptiven Wandel in der Medienbranche erstmals eine eigene Fachkonferenz gewidmet. Das neue Format mit vielen hochkarätigen Expertinnen und Experten wurde sehr gut angenommen.

Ich möchte nur einen wichtigen Gedanken herausgreifen, den Dr. Helge Fuhst, Chefredakteur der PREMIUM-Gruppe/Axel Springer, in seiner Keynote formuliert hat: Vertrauen wird im KI-Zeitalter zum wertvollsten Gut. Deshalb müssen wir darauf achten, dass der Mensch im Zentrum journalistischer und publizistischer Arbeit bleibt.

Hass im Netz: „Erkennen. Verfolgen. Entfernen.“

Eine weitere wichtige Veranstaltung mit Bayerns Justizminister Georg Eisenreich fand Ende letzten Monats in der BLM statt.

Unter dem Motto „Erkennen. Verfolgen. Entfernen.“ haben wir gemeinsam mit Bayerischen Justiz, der Bayerischen Polizei und der Generalstaatsanwaltschaft München darüber informiert, wie Medienaufsicht und Strafverfolgung in Bayern gemeinsam gegen strafbaren Hass im Netz vorgehen. Diese enge Vernetzung und sehr gute Kooperation wird immer wichtiger.

Denn unsere Erfahrungen als Medienaufsicht zeigen: der Handlungsbedarf ist groß. Tausende Fälle im Bereich Hassrede und sonstiger digitaler Gewalt machen deutlich, wie wichtig wirksame und eingespielte Verfahren sind. Mit allen verfügbaren Instrumenten schaffen wir die Grundlage dafür, rechtswidrige Inhalte im Kontext von strafbarem Hass, Hetze und Extremismus schneller zu prüfen, zu melden und aus dem Netz „entfernen“ zu lassen.

Wie genau die BLM als bayerische Medienaufsicht zusammen mit der Bayerischen Polizei („Erkennen“), der Generalstaatsanwaltschaft München und dem Bundeskriminalamt („Verfolgen“) gegen unzulässige und strafbare Hass-Inhalte im Internet vorgeht, verdeutlicht ein neuer Flyer. Die Broschüre können Sie online als Druckversion bestellen oder herunterladen.

Klar ist auch: Nicht jede Kritik oder Reaktion ist unzulässige Hetze, selbst wenn sie hart, unbequem, zugespitzt oder vielleicht geschmacklos ist. Das muss eine Demokratie aushalten. Aber: Klare Bedrohungen, Volksverhetzung, antisemitische oder extremistische Inhalte und gezielte Einschüchterung können Menschen zum Schweigen bringen – und sollen es manchmal auch. Und dort, wo Menschen sich nicht mehr trauen, ihre Meinung zu sagen, wird Freiheit nicht verteidigt, sondern verdrängt. 

Danke an Justizminister Georg Eisenreich und alle Partner für den gemeinsamen Willen, Recht und Gesetz auch im digitalen Raum durchzusetzen.

Lokaljournalismus und Demokratie / Medienvielfalt

Am Dienstag war Tag des Lokaljournalismus, eine Initiative von Ippen Media. Die BLM hat das zum Anlass genommen, die Auswertung der BLM-Studie „Lokaljournalismus und Demokratie“ für Bayern zu veröffentlichen (zur Studie).

Die gute Nachricht: Lokaljournalismus ist im Alltag der Menschen in Bayern fest verankert. Fast die Hälfte nutzt mindestens ein lokaljournalistisches Angebot täglich oder fast täglich, und lokale Medien genießen deutlich mehr Vertrauen als „Medien allgemein“.

Für mich ist klar: Der lokale Rundfunk in Bayern trägt entscheidend zu diesem Standing bei. Viele Menschen wünschen sich ein vielfältiges Angebot aus klassischen und digitalen Formaten, in dem das Lokalradio ein zentraler Baustein im Formatmix ist.

Doch eine starke lokale Medienlandschaft in Bayern ist keine Selbstverständlichkeit. Diese demokratische Infrastruktur müssen wir schützen. Damit lokale Vielfalt erhalten bleibt, brauchen wir einen Schutzschirm für lokale Vielfalt, der die Reichweite und Auffindbarkeit lokaler Marken sichert, vielfaltserhaltende Kooperationen ermöglicht und tragfähige Modelle unterstützt, bevor Lücken entstehen.

Medienvielfalt ist kein Selbstläufer. Sie muss aktiv gesichert, reguliert – und vor allem aktiv gestaltet werden. Das war auch das Fazit von „DLM im Dialog“ Mitte April in Berlin.

Die Diskussionen rund um Vielfalt im Feed (Public Value), Family Influencing und die Plattformökonomie im Audiomarkt hatten eines gemeinsam: Es ging um aktuelle Innovationen im Medienmarkt, deren Auswirkungen auf die Vielfalt und wie Regulierung die Verantwortlichkeit dafür gewährleisten kann.

Meine Überzeugung: Das lässt sich am besten gemeinsam lösen – wenn sich alle Beteiligten bewegen. Deshalb war mein persönliches Highlight die Keynote von Marco Giordani, dem neuen Group CEO von ProSiebenSat.1. Er betonte: Um die Zukunft von Qualitätsinhalten zu sichern, brauche es gemeinsame Anstrengungen in Deutschland und Europa. So setzte er bei seinem ersten öffentlichen Auftritt in dieser Funktion den Kurs für eine Branche in stürmischen Zeiten…

Zuletzt noch zwei Veranstaltungshinweise:

2026 werden aus den Lokalrundfunktagen erstmals die Lokalmedientage. Mit der Neuausrichtung reagiert die Medien.Bayern auf die Transformation in der Radio- und TV-Landschaft, die sich längst über das klassische „On Air“-Signal hinaus definiert. Der BLM-Medienpreis und die Präsentation der Funkanalyse Bayern in den Nürnberger Messehallen sowie natürlich das Medienfest im Nürnberger Rathaus gehören aber weiter zu den Höhepunkten. Bitte notieren Sie sich den 24./25. Juni in Ihren Kalendern!

Herzlich einladen möchte ich Sie außerdem zur BLM-Veranstaltung „Vom Hashtag zur Hetze - Islamismus im Netz entschlüsseln & begegnen“ – übernächste Woche am 20. Mai hier im Haus. Die Fachtagung Jugendschutz und Nutzerkompetenz nimmt heuer die Strategien islamistischer Online-Kommunikation in den Blick. Wissenschaftliche Impulse und praxisnahe Projektberichte zeigen, wie salafistische Narrative funktionieren, welche Plattformen eine Rolle spielen und wie man den damit verbundenen Gefahren begegnen kann.