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Bericht des Präsidenten

10.05.2012 | 09 / 2012

Bei der Rechtevergabe der Deutschen Fußball Liga (DFL) Mitte April sind die Erst-verwertungsrechte ausnahmslos an den Pay-TV-Anbieter Sky gegangen. Bei der Zweitverwertung ändert sich im Grund nichts: ARD und ZDF können weiterhin eine Zusammenfassung der Spiele in der „Sportschau“ bzw. im „Aktuellen Sportstudio“ zeigen. Zugleich bekam die ARD auch die Rechte für die erste Zusammenfassung der Sonntagsspiele sowie die Über¬tragungsrechte der Live-Spiele im Free-TV. Neu ist, dass die Axel Springer AG spezielle Internetrechte erworben hat. Von der Saison 2013/14 an darf der Springer-Konzern nun bereits eine Stunde nach Spielschluss Zusammenfassungen der Spiele der Ersten und Zweiten Bundesliga in einer Länge bis zu sechs Minuten auf allen internetfähigen Endgeräten zeigen. Allerdings muss das Angebot in den ersten Stunden nach Spielschluss kostenpflichtig sein. – Insgesamt erlöst die Deutsche Fußball Liga mit den neuen Verträgen in vier Jahren etwa 2,5 Mrd. Euro. Pro Saison sind das 628 Mio. Euro gegenüber bisher 412 Mio. Euro. Das entspricht einer Steigerungsrate von mehr als
50 Prozent.

Der April war unter medienpolitischen Aspekten ein ereignisreicher Monat, denn neben der wichtigen Vergabe der Bundesligarechte wurde am 30. April die analoge Satellitenverbreitung von Fernseh- und Radioprogrammen in Deutschland beendet. Der Übergang von analog zu digital hat offenbar problemlos funktioniert. Aber selbst eine umfassende Aufklärung hat nicht verhindert, dass am 1. Mai geschätzte 300 Tsd. Haushalte in Deutschland vor einem schwarzen Bildschirm saßen. Der Fachhandel und das Fachhandwerk werden also auch in den kommenden Wochen weiter mit der Umstellung beschäftigt sein.

Neben der Umstellung von analoger auf digitale Satellitenverbreitung gab es am 30. April weitere einschneidende Veränderungen bei der Programmbelegung für den Satellitenempfang. Neben der HD-Aufschaltung einer Reihe von ARD- und ZDF-Programmen mussten einige Programme, darunter auch die bayerischen Lokalfernsehprogramme, ihre bisherigen Transponder ändern. Vor allem aber werden mit a.tv (Augsburg) und Franken Fernsehen (Nürnberg) zwei weitere Lokalfernsehprogramme jeweils 24 Stunden digital über Satellit ausgestrahlt und können damit von nahezu 100 Prozent der Menschen in ihren Sendegebieten empfangen werden.

Damit haben wir bei der Satellitenausstrahlung der bayerischen lokalen Fernsehprogramme derzeit folgende Situation: a.tv und Franken Fernsehen verfügen jeweils über einen eigenen 24-Stunden-Satellitenkanal. Über einen weiteren 24-Stundenkanal werden münchen.tv und Regional Fernsehen Rosenheim (rfo) verbreitet. Zu diesen drei 24-Stunden-Satellitenkanälen kommen wie gehabt drei 6-Stunden-Satellitenkanäle. Über einen dieser drei Kanäle (LokalSat) werden im Wechsel intv, REGIO TV und TV-Allgäu Nachrichten ausgestrahlt; über den zweiten Kanal (FrankenSat) werden TV Oberfranken, main tv, TV touring Würzburg und TV touring Schweinfurt verbreitet und über den dritten 6-Std.-Kanal (ONTV) die lokalen TV-Programme aus Niederbayern und der Oberpfalz.

Nach Zustimmung des Bayerischen Landtags werden schließlich ab Januar 2013 für die 16 lokalen TV-Programme einschließlich der Spartenanbieter sieben 24-Stunden-Satelliten sowie weitere drei 6-Stunden-Kanäle zur Verfügung stehen. Über die endgültige Verteilung der Programme auf die Satellitenkanäle wird der Medienrat im Juli entscheiden.

Neben den technischen Aspekten beschäftigen wir uns in der BLM immer auch intensiv mit wirtschaftlichen Folgen für die lokalen TV-Anbieter, aktuell mit der Tatsache, dass sich Smart-TV oder Hybrid-TV immer mehr ausbreiten. Die BLM hat dazu eine Studie in Auftrag gegeben, die vor 14 Tagen im Rahmen einer Veranstaltung in der Landeszentrale vorgestellt wurde. Smart-TV-Geräte, also Fernseher, die mit dem Internet verbunden sind und damit für eine Reihe von spezifischen Anwendungen genutzt werden können, sind mittlerweile der Verkaufsschlager bei den TV-Geräten. Bis Jahresende 2011 wurden in Deutschland je nach Erhebung zwischen 5,6 und 6,7 Mio. Smart-TV-Geräte verkauft. Allein 2011 lag ihr Anteil am Absatz aller TV-Geräte zwischen 35 und 40 Prozent. In diesem Jahr, so wird von der Branche erwartet, wird fast jeder zweite verkaufte Fernseher internetfähig sein und laut Prognose werden 2016 über 13 Mio. Haushalte in Deutschland über ein internetfähiges TV-Gerät verfügen.

Für Lokal-TV-Sender stellt Smart-TV eine Möglichkeit dar, die Zuschauerreichweiten zu steigern. Auf der Fernbedienung werden die lokalen Fernsehprogramme auf dem leicht zu merkenden Programmplatz „99“ liegen. Wer auf die „99“ geht, sieht zunächst eine Deutschlandkarte. Von da aus kann man z.B. auf Bayern navigieren und hat dann einen Überblick über alle lokalen bayerischen Programme und die entsprechenden Sendezeiten. Jeder kann dann direkt sein Programm anklicken. Darüber hinaus wird es bei Hbb-TV-Geräten über die sogenannte „Red Button“-Funktion eine direkte Verbindung zum Internetangebot und damit auch zur Mediathek des jeweiligen lokalen Senders geben.

Wichtig unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten ist, dass die Lokal-TV-Sender mit Hilfe des HbbTV-Standards in Zukunft zusätzliche Werbeumsätze generieren können. Auf nationaler Ebene werden derzeit bereits interaktive Sonderwerbeformen über HbbTV vermarktet. Diese neuen Werbeformen lassen sich auch auf die lokale Vermarktung übertragen. Durch die Red Button-Funktion können lokale Werbespots zukünftig interaktiv gestaltet und damit deutlich stärker zum Abverkauf genutzt werden. Ein wichtiger Faktor ist dabei die direkte Messbarkeit der Werbemittelkontakte. Zudem lässt sich die Interaktivität für weitere Dienste nutzen.

Die aktuelle Studie der Landeszentrale stellt in zwei Modellrechnungen dar, dass die bayerischen Lokal-TV-Sender bereits 2016 auf Basis der dann verfügbaren technischen Reichweite durch die Einbuchung von HbbTV-Spots zusätzlich zwischen 350 Tsd. Euro und – unter optimistischen Annahmen – auch 930 Tsd. Euro erwirtschaften könnten.

Abschließend noch der Hinweis auf eine weitere Veranstaltung der Landeszentrale, in der es ebenfalls um einen neuen Trend geht, nämlich die gleichzeitige Nutzung von TV und Social Media. Man spricht deshalb auch von Social TV. Wir glauben, dass dieser Trend die klassische Fernsehnutzung verändern wird und gleichzeitig neue Möglichkeiten für die TV-Anbieter eröffnet. Was es damit genau auf sich hat und worin die neuen Möglichkeiten bestehen, können Sie am 14. Juni hier in der BLM erfahren beim ersten „Deutschen Social TV Summit“.