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Bericht des Präsidenten zur 25. Sitzung des Medienrats am 22.05.2014

22.05.2014 | 25 / 2014

Medienforum Ostbayern
Die BLM hat gestern Abend zum zweiten Mal das Medienforum Ostbayern in Regensburg veranstaltet. In diesem Jahr ging es um die Rolle des Lokalen in einer globalen, digitalen Welt und zwar sowohl um die Rolle der lokalen Medien als auch um die Zukunft des lokalen Handels und lokaler Dienstleister. Beides hängt ja eng zusammen.
Die lokalen Medienunternehmen, egal ob Lokalzeitung, lokaler Hörfunk oder lokales Fern¬sehen, geraten derzeit von zwei Seiten unter Druck. Sie müssen sich auf dem Informations¬markt ebenso gegen neue Konkurrenten behaupten, wie auf dem Werbemarkt. Da ist zum einen die lokale und sublokale digitale Konkurrenz, die sowohl Nutzer als auch potenzielle Werbeeinnahmen abschöpft, andererseits entstehen für lokale Werbetreibende immer mehr Möglichkeiten, auf anderen Wegen als über die traditionellen Medien zu werben. Im Moment sind es noch weniger die ortsansässigen Einzelhändler und Dienstleister, sondern vor allem die überregionalen Filialisten und Markenartikler, die mit neuen digitalen Werbeformen experimentieren. Dazu kommt, dass E-Commerce ständig Marktanteile gewinnt und mobile Geräte das Kundenverhalten in den Geschäften und außerhalb verändern. Mit der zunehmenden Bedeutung von Smartphones und Tablets und dem mobilen Internet wird die direkte digitale Ansprache von Kunden immer wichtiger. Über Geo-Targeting ist es z.B. problemlos möglich, Angebote, Produktinformationen oder Coupons auf das Mobiltelefon potenzieller Kunden zu schicken. 

Dabei spielen die sogenannten Local Based-Services eine entscheidende Rolle. Wie enorm sich dieser Markt in Deutschland seit 2010 entwickelt hat, belegt der sog. Local Based-Services-Monitor 2014, der im Auftrag der BLM erstellt wird und der auf dem Medienforum Ostbayern vorgestellt wurde.
Wir haben gestern in Regensburg anhand einer Reihe praktischer Beispiele erlebt, wie die Zukunft sowohl der lokalen Medien als auch des lokalen Handels aussehen kann. Vor allem aber wurden Wege aufgezeigt, wie es auch in der digitalen Welt zu einer für beide Seiten gewinnbringenden Zusammenarbeit kommen kann.
Es ist wichtig, dass die BLM und ihre Töchter solche Veranstaltungen anbieten, wie beispielsweise auch die Local Web Conference der BayMS in Nürnberg, weil es der BLM darum gehen muss, unsere lokalen Anbieter zukunftsfähig zu machen und die digitale Welt nicht allein den globalen Internetkonzernen zu überlassen.

AFK
Wie Sie alle wissen, sind die beiden Münchner Aus- und Fortbildungsprogramme Radio afk M94.5 und afk tv in neue, gemeinsame Büro-, Sende- und Produktionsräume im Medien-Businesspark „Media Works Munich“ in der Rosenheimer Straße umgezogen. Dort bereits zu Gast war am 8. Mai der BLM-Hörfunkausschuss und am 15. Mai der BLM-Fernseh¬ausschuss. Im Rahmen von Gesprächen und Führungen mit den Verantwortlichen konnten sich die Ausschussmitglieder vor Ort über die ersten innovativen Projekte informieren, wie z.B. das neue Visual Radio oder gemeinsame Workshops und Crossmedia-Kurse.
Alles ist jetzt unter einem Dach, eine Ausbildung und eine Produktion, die sich vor allem den digitalen Gegebenheiten anpasst. Ob nun afk M94.5 oder afk tv – in der analogen Zeit war immer klar, wer wo was sendet. Inzwischen verschwimmen die Mediengrenzen zunehmend. Gemeinsam stehen deshalb die Lehrredaktionen vor der Herausforderung, in Zukunft cross-medial zu arbeiten.

Worin der Erfolg der Zukunft liegen kann, zeigte der afk erstmals mit der crossmedialen Eröffnungsveranstaltung am 8. April. Über hundert Gäste haben den Start in ein neues Zeitalter verfolgt. Vorproduzierte Texte, Clips und Audiointerviews ergänzte der Mediennachwuchs während des Openings mit Interviews auf und abseits der Bühne. Alles wurde live ins Internet gestreamt. Diverse eingebundene Social Media-Kanäle ermöglichten darüber hinaus die Interaktion mit den Nutzern. Ein gelungener Vorgeschmack auf die Art von Journalismus, die der afk künftig ausbilden und prägen will: crossmedial und abgestimmt auf die Bedürfnisse der Nutzer.

Wie genau das aussehen kann, soll in Zukunft im afkLab erprobt werden. Ein erster Schritt dafür ist das fachübergreifende Lernen. Die Medienmacher von morgen werden beim afk künftig nicht mehr nur in Radio oder Fernsehen ausgebildet, sie bekommen Einblicke in beides, plus Moderation, Technik, Planung, um so später wirklich crossmedial arbeiten zu können. Die Besonderheit des afk ist dabei, dass er das bietet, wofür in den meisten Redaktionen weder Zeit noch Geld vorhanden ist: ausprobieren, scheitern, weitermachen!

Staatssekretär Gerhard Eck in der BLM
Am 6. Mai fand ein Gespräch mit Staatssekretär Gerhard Eck vom Bayerischen Innenministerium in der BLM statt. Daran teilgenommen haben u.a. auch Dr. Korte von der Fraunhofer-Gesellschaft und Johannes Trottberger, Geschäftsführer der Bayern Digital Radio GmbH.
Grund für das Gespräch war, dem Innenministerium die Emergency Warning Functionality (EWF) vorzustellen, ein Katastrophenwarnsystem, das über digitale Hörfunknetze (DAB) möglich ist. EWF könnte eine Alternative sein zum sog. TETRA-System („Terrestrial Trunked Radio“), einem System das derzeit von Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben genutzt wird. Der Staatsekretär war sehr interessiert und hat die großen Vorteile einer one-to-many –Verbindung im Katastrophenfall über DAB kennen gelernt.
Vor allem die Vorteile gegenüber Mobilfunksystem-Lösungen sind überzeugend. Zudem ist ein verschlüsseltes Meldesystem zu den Behörden- bzw. Katastrophenleitstellen über DAB möglich. Bei dem Gespräch wurde eine Folgepräsentation im Innenministerium vereinbart und die Planung einer Übertragung von Störmeldungen des Innenministeriums im DAB-Netz der BDR angedacht. Im letzten Jahr wurden alleine in Bayern ca. 500 Warn- bzw. Katastro-phenhinweise über den Hörfunk abgesetzt.
DAB wird damit nicht nur durch seine bessere Qualität und die Möglichkeit mehr Hörfunk-programme zu übertragen gegenüber dem analogen UKW interessant, sondern auch durch Anwendungen in anderen Sektoren des öffentlichen Lebens, wie z.B. bei Katastrophen-meldungen, in der Verkehrstelematik und als Meldesystem für Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben.

Aktuelle Entscheidungen zum Rundfunkbeitrag
Kurz hintereinander, nämlich am 13. und am 15. Mai, haben die Verfassungsgerichtshöfe zuerst in Rheinland-Pfalz und dann in Bayern über den Rundfunkbeitragsstaatsvertrag entschieden. Da der Staatsvertrag der Länder durch Zustimmungsbeschluss der Landesparlamente Gesetzeskraft erlangt hat, unterliegen diese Parlamentsbeschlüsse auch der Überprüfung durch die Verfassungsgerichtshöfe der Länder am Maßstab der Landesverfassungen.
Beide Verfassungsgerichtshöfe haben den entscheidenden Einwand der Kläger bzw. Beschwerdeführer zurückgewiesen, der Rundfunkbeitrag sei in Wahrheit eine Steuer, für die die Länder keine Gesetzgebungskompetenz hätten. Beide Gerichte haben festgestellt, dass der Beitrag für die Nutzungsmöglichkeit eines konkreten öffentlichen Angebots erhoben wird. Der Rundfunkbeitrag dient nicht wie die klassische Steuer der allgemeinen staatlichen Aufgabenfinanzierung. Er gilt das Gesamtangebot des beitragsfinanzierten Rundfunks ab. Der Gesetzgeber hat Befreiungsmöglichkeiten bei objektiver Unmöglichkeit der Rundfunknutzung (z.B. für Taubblinde) vorgesehen. Es ist nicht verfassungsrechtlich geboten, dass die Beitragspflicht auf Nutzungsgewohnheiten Rücksicht nimmt, da es nur auf den Vorteil der Nutzungsmöglichkeit ankommt. Die Zahlungspflichten sind weder im privaten noch im nicht-privaten Bereich unverhältnismäßig. Insbesondere der Bayerische Verfassungsgerichtshof konnte sich im Rahmen der Popularklage mit allen Gesichtspunkten der Einwände der Beitragsgegner befassen und hat sie mit ausführlicher Begründung zurückgewiesen.

Lokalrundfunktage 2014
Ich darf Sie schon auf die Lokalrundfunktage 2014 hinweisen, die am 8. und 9. Juli wieder in Nürnberg stattfinden werden. Im Rahmen der Eröffnungsveranstaltung werden die BLM- Hörfunk- und Lokalfernsehpreise für herausragende Leistungen in den lokalen Radio- und Fernsehprogrammen vergeben. Auch die Ergebnisse der Funkanalyse, also die Reichweiten-ergebnisse aller lokaler Radio- und Fernsehangebote in Bayern, werden in Nürnberg wieder vorgestellt.
Das Konferenz-Programm der Lokalrundfunktage beschäftigt sich mit den aktuellen Programm-, Marketing- und Technikfragen der Branche. Natürlich steht im Zentrum die Frage, wie sich der lokale Rundfunk in der digitalen Medienwelt zwischen Streaming, Smart-TV und Apps behauptet. Erlauben Sie mir, dass ich einige Punkte herausgreife: Die Keynote im Hörfunk hält der kanadisch-französische Programmberater Denis Florent zum Spannungsverhältnis des Radios zu den neuen Musikstreaming-Angeboten. Im Fernsehen schauen wir auf die neue Lokal-TV-Konzeption in England und freuen uns auf die Präsentationen unserer Kollegen von der Ofcom. Die BLM präsentiert eine Musikstudie mit dem vielversprechenden Titel „Bayern zwischen Helene Fischer und Linkin Park – Eine Musiktypologie“. Weitere Themen sind u.a. die besten Radio-Apps der Welt, Audioeffekt, der Return on Investment von Radio oder die Zukunft des Online-Journalismus.

Ich darf Sie noch auf eine Besonderheit hinweisen: Die Lokalrundfunktage bieten dieses Jahr vor dem Medienfest einen Besuch der Ausstellung „Wege in die Moderne“ im Germanischen Nationalmuseum an, denn diese Ausstellung zeigt einen spannenden Blick auf die Veränderungen der Medienlandschaft im 19. Jahrhundert: Mit neuen, immer schnelleren Kommunikationsmitteln, der zunehmenden Bedeutung von Bildern und unterstützt durch die Vernetzung großer Teile der Erde mit neuen Verkehrs- und Kommunikationstechnologien hat im 19. Jahrhundert ein Prozess der medialen Globalisierung eingesetzt, der immer noch anhält.