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Grußwort von Martin Gebrande, Geschäftsführer der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien zum Start des DMB-Pilotprojekts MI FRIENDS in Regensburg am 28. September 2006

28.09.2006 | P&R / 2006


- Es gilt das gesprochene Wort! -
 
Sehr geehrter Herr Bürgermeister Weber,
sehr geehrter Herr Esser,
sehr geehrter Mr. Lee,
sehr geehrte Vertreterinnen und Vertreter des Medienrats,
meine sehr geehrten Damen und Herren,
 
ich darf Sie alle sehr herzlich zur Präsentation und zur Pressekonferenz anlässlich des Starts des europäischen DMB-Projekts MI FRIENDS in Regensburg begrüßen. Lassen Sie mich zu Beginn einiges zum Verständnis dieses Projekts sagen, ohne dabei in die Tiefe zu gehen. Dies wird dann das anschließende Podium übernehmen. Die BLM hat das Projekt MI FRIENDS - der Begriff ist im Übrigen ein Akronym aus den Worten Mobiles Interaktives Fernsehen, Radio, Information, Entertainment und Neue Digitale Services - im März 2005 initiiert, weil für uns offensichtlich war, dass die mobile Kommunikation als Folge der Digitalisierung für die Medienunternehmen in Zukunft eine wichtige Rolle spielen wird. Unser Ziel war und ist es, Inhalte für mobile Endgeräte zu entwickeln und zu testen, Geschäftsmodelle zu erproben und die Akzeptanz der Nutzer zu erforschen. Dem Gesamtprojekt, das aus den Teilprojekten München, Regensburg, Bodensee und Südtirol besteht, haben sich mittlerweile über 70 Projektpartner an­geschlossen, u.a. der Bayerische Rundfunk, Antenne Bayern und die Regensburger Medienunter­nehmen, deren Vertreter Sie im Anschluss hören werden und auch ein Unternehmen wie die Kupferwerk GmbH, das für die Entwicklung digitaler Produkte und Services steht und dessen Geschäftsführer, Herr Ulbrich, ebenfalls auf dem Podium sitzen wird.
 
Ein sehr wichtiger Partner für MI FRIENDS ist das Koreanische Ministerium für Information und Kommunikation (MIC) und das daran angegliederte Forschungsinstitut ETRI, die uns zusammen mit dem koreanischen Elektronikkonzern LG bei der gesamten technischen Entwicklung und bei den Endgeräten, sprich Handys, unterstützten. Deshalb freuen wir uns sehr, hier zum Start in Regensburg auch eine koreanische Delegation mit dem General Manager Mr. Lee vom Ministerium für Information und Kommunikation an der Spitze begrüßen zu dürfen. -  Die Technologie mit der im Rahmen unseres Projekts gearbeitet wird, heißt „Digital Multi­media Broadcasting“. Es handelt sich dabei um eine Weiterentwicklung des digitalen Hörfunkstandards DAB. Diese ursprünglich in Deutsch­land entwickelte Technologie wurde in Korea zu DMB weiterentwickelt und ist dort in zwei unterschiedlichen Varianten seit Mai letzten Jahres im Markt, mit inzwischen annähernd einer Million Nutzern. Das erste Teilprojekt von MI FRIENDS ist im Großraum München kurz vor der Fußball-WM Anfang Juni gestartet und wurde am 31. August beendet. Im Rahmen des Münchner Projekts wurden annähernd 200 Handys an Testpersonen ver­geben. Im Mittelpunkt des Interesses stand dabei, zu sehen, welche Rolle ein Ereignis wie die WM für die mobile Nutzung hat und wie sich das Nutzer­verhalten verändert, wenn ein solches Ereignis zu Ende ist. In unseren Pressemappen finden Sie ein eigenes Papier mit den Ergebnissen der Münchner Begleitforschung.
 
Das Regensburger Projekt unterscheidet sich sowohl in seiner Anlage als auch in der Zielsetzung deutlich vom Münchner Teilprojekt. So wird MI FRIENDS Regensburg eine Laufzeit von 24 Monaten haben. In einem solchen Rahmen lassen sich natürlich Inhalte ändern und weiterentwickeln. Ein Ziel ist beispielsweise, dass in der zweiten Hälfte dieser 24 Monate auch interaktive Inhalte angeboten werden, also Inhalte mit denen der Nutzer in Interaktion treten kann. Darüber hinaus hoffen wir, dass uns gegen Ende der Laufzeit Handys zur Verfügung stehen werden, die nicht nur mit dem DMB-Standard arbeiten, sondern auch mit DVB-H, einem anderen Standard, der ebenfalls die Übertragung multi­medialer Inhalte erlaubt. Der Hauptunterschied zu München liegt aber vor allem darin, dass wir in Regensburg testen wollen, wie lokale Inhalte von den Nutzern angenommen werden.
 
Fast alle Experten sind sich einig, dass unsere Medienlandschaft vor großen Verände­rungen steht und dass dabei der „Kampf“ um das Zeitbudget der Mediennutzer noch härter wird. Die Grundlage dieser kommenden Veränderungen ist die Digitalisierung im Zusammenspiel mit der Individualisierung einerseits und der Globalisierung andererseits. Die Digitalisierung ermöglicht ein deutliches Mehr an Programmen und Medienangeboten aller Art, sie ermöglicht die Interaktivität und die individuelle Adressierbarkeit von Medien­angeboten. Sie ermöglicht technisch gesehen also erst die Individualisierung. Diese führt u.a. dazu, dass die bisherigen Zielgruppen an Bedeutung verlieren und abgelöst werden durch vielfältige Milieus und Communities. Ein Zeichen für die zunehmende Individuali­sierung ist beispielsweise der Boom, der Audio- und Video­plattformen mit inzwischen Millionen selbst erstellten Beiträgen zeigt.
 
Die Digitalisierung befördert im Bereich der Medien nicht nur die Individualisierung, sondern auch die Globalisierung. Dies gilt für Inhalte ebenso wie für Unternehmen. Unternehmen wie Google, Microsoft und Yahoo, die immer schon global tätig waren, entdecken zunehmend den Markt der Medieninhalte und werden dadurch zu Konkurrenten für die klassischen Medienunternehmen.
 
Dazu kommt, dass auch die Telekommunikationsunternehmen und die Kabelnetz­betreiber zunehmend in das Geschäft mit den Inhalten drängen. Und sie haben eine hervorragende Ausgangsposition, denn sie sind nicht nur im Besitz der Netze, sondern verfügen auch über direkte Kundenbeziehungen und haben das Kapital für den Erwerb lukrativer Senderechte. Wir haben es hier mit einer Machtballung zu tun, die aus meiner Sicht politisch, gesellschaftlich und wirtschaftlich bedenklich ist. Die beiden ersten Bereiche möchte ich an dieser Stelle beiseite lassen, sie bedeuten eine große Heraus­forderung für die politisch Verantwortlichen. Die wirtschaftliche Macht bringt die Gefahr mit sich, dass Konkurrenten vom Markt gedrängt werden, gerade kleine und mittel­ständische Unternehmen.
 
Dass dies möglichst nicht passiert und damit sich gerade die lokalen und regionalen Anbieter auf neue Inhalte, neue Angebotsformen und neue Geschäftsmodelle vorbereiten können, deshalb machen wir dieses Projekt MI FRIENDS in Regensburg. Es ist ein Lern- und Forschungsprojekt durch das vor allem auch die beteiligten Unternehmen neue Erkennt­nisse generieren und sich auf neue, kommende Märkte vorbereiten können. Wir wissen, dass diese Unternehmen in der Regel nicht die wirtschaftlichen Möglichkeiten haben, ausschließlich auf eigenes Risiko in neue Geschäftsfelder zu gehen. Deshalb fördert die BLM auch die für das Pilotprojekt produzierten Inhalte. Uns ist bewusst, dass sich mit Mobile Broadcasting nicht schon morgen große Gewinne erwirtschaften lassen. Das wäre in der Tat eine Illusion. Wir sind aber andererseits davon überzeugt, dass es sich hier um einen innovativen, zukunftsträchtigen Geschäftsbereich handelt. Das Projekt MI FRIENDS soll in erster Linie dazu dienen, unsere lokalen und regionalen Anbieter fit zu machen für zukünftige Entwicklungen und einen Wettbewerb, der ohne Zweifel härter wird.
 
Abschließend möchte ich mich insbesondere für die große Gastfreundschaft der Stadt Regensburg im Namen unserer koreanischen Delegation wie auch im Namen der BLM recht herzlich bedanken.
 
Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit und übergebe das Mikrofon an Herrn Lee vom Ministry of Information and Communication (MIC) der Republik Korea.