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Grußwort von Prof. Dr. Wolf-Dieter Ring zum Mobile Forum 2008 am 3. Juni in München

03.06.2008 | P&R

 
- Es gilt das gesprochene Wort! -
 
Sehr geehrter Herr Karajica,
sehr geehrter Herr Kors,
sehr geehrter Herr Müller,
meine sehr geehrten Damen und Herren,
 
ich freue mich, Sie hier im (m)athäser zum zweiten Mobile-Forum, einer gemeinsamen Veranstaltung des MedienCampus Bayern, der in der vergangenen Woche sein 10-jähriges Bestehen gefeiert hat, der PLAZAMEDIA und der Medientage München GmbH begrüßen zu dürfen. Wie sich bereits im vergangenen Jahr gezeigt hat, passen die Partner sehr gut zusammen: PLAZAMEDIA steht für perfekte Produktionen und technische Innovationen, der MedienCampus Bayern für Ausbildung, Inhalte und Qualität und die Medientage München GmbH für die Organisation erfolgreicher Medienkongresse, wie sie gerade erst vor knapp zwei Monaten an gleicher Stelle mit „munich gaming“ wieder bewiesen hat.
 
Die Veranstalter scheinen ein besonderes „Händchen“ bei der terminlichen Festlegung dieser Veranstaltung zu haben. Im vergangenen Jahr war der Kongress exakt in der Woche, in der die Ausschreibung der DVB-H-Frequenzen für mobiles Fernsehen durch die Landes­medienanstalten veröffentlicht wurde. In diesem Jahr deckt sich der Veranstaltungstermin ziemlich genau mit dem Start des DVB-H-Angebots von Mobile 3.0 in den Städten München, Hamburg, Hannover und Frankfurt. - Bevor ich auf die deutsche Situation komme, die nicht ohne Brisanz ist, wie Sie wissen, möchte ich gerne einen kurzen Blick auf die internationale Entwicklung werfen:
 
Es überrascht nicht, dass da der asiatische Raum deutlich an der Spitze steht. Nach den Ergebnissen internationaler Studien sollen derzeit in Japan geschätzte 20 Mio. Handys im Markt sein, die Mobile TV empfangen können. In Südkorea sind es etwa 12 Mio. ent­sprechende Endgeräte. Was Europa angeht, ist derzeit die Entwicklung in Italien am weitesten fortgeschritten. Dort sind etwa 700.000 bis 800.000 entsprechende Geräte im Markt. Insgesamt sollen in Europa momentan etwa 2.5 Mio. Kunden mobiles Fernsehen nutzen können. Obwohl das keine Zahlen sind, die Anlass zur Euphorie geben, sind die wirt­schaftlichen Prognosen für die Entwicklung von Mobile TV in den kommenden Jahren weiterhin sehr optimistisch. So erwartet McKinsey in den Jahren 2010/2011 weltweit einen jährlichen Umsatz bei Handy-TV von 7 bis 9 Milliarden Euro, der sich bis zum Jahr 2015 auf 20 Milliarden erhöhen soll. Noch weitaus positiver sehen andere Studien das weltweite Marktvolumen. Da ist von Umsätzen in Höhe von bis zu 24 Mrd. Euro bereits im Jahr 2011 die Rede, davon 10 Mrd. in Westeuropa. Das Marktforschungsunternehmen Informa Telecoms & Media geht davon aus, dass es im Jahr 2011 in Europa etwa 70 Mio. Abon­nenten von Mobile TV-Angeboten geben wird.
 
Gegenüber diesen überaus optimistischen Prognosen verläuft die Entwicklung in Deutsch­land derzeit eher zäh. Lassen wir kurz Revue passieren, was sich in den vergangenen zwei Jahren getan hat: Vor fast auf den Tag genau zwei Jahren ist rechtzeitig zur Fußball-WM in den Städten Berlin, Frankfurt, Köln, München und Stuttgart Handy-TV über DMB gestartet. DMB wurde damals gewählt, weil sowohl die Netze als auch die entsprechenden Endgeräte zur Verfügung standen. Fast gleichzeitig mit dem kommerziellen Projekt „Watcha“ hat die BLM ihr Pilotprojekt „MI FRIENDS“ gestartet, ebenfalls mit DMB. Uns ging es einerseits darum, mittelständischen Unternehmen die Möglichkeit zu geben, eine neue Technologie zu testen und andererseits über eine intensive Begleitforschung Erkenntnisse über die Erwar­tung der Nutzer an Handy TV zu generieren. Ich werde später kurz darauf zurückkommen. – Wie Sie wissen, ist das Angebot Watcha Ende April eingestellt worden, weil es sich im Markt nicht durchsetzen konnte. Der Betreiber MFD hat mittlerweile die Lizenzen zurückgegeben. Wie bereits erwähnt haben die Landesmedienanstalten dann vor einem Jahr die DVB-H-Frequenzen für Handy-TV ausgeschrieben. Beworben hat sich einerseits ein Konsortium aus den Telekommunikationsunternehmen T-Mobile, Vodafone und o2 und andererseits Mobile 3.0, mit den Gesellschaftern Burda, Holtzbrink, Neva Media und dem südafrikanischen Medienkonzern Naspers. Mitte Oktober ist eine Vorentscheidung für Mobile 3.0 gefallen, im Januar dann die endgültige Entscheidung. Aufgrund der vorhandenen Rechtslage musste daraufhin jede Landesmedienanstalten Mobile 3.0 in ihrem Bundesland genehmigen. Dies ist bis Mitte April geschehen. Wenn es bei der Zuweisung von Frequenzen eine Verzögerung gegeben hat, wie jetzt in den letzten Wochen von Mobile 3.0 erklärt wurde, wurde diese von ARD und ZDF ausgelöst, die bis vor kurzem darauf bestanden haben, die von ihnen zu nutzenden Frequenzen nicht von den Landesmedienanstalten sondern durch die Staats­kanzleien der Länder direkt zugewiesen zu bekommen.
 
In den letzten Monaten ist die Situation für Mobile 3.0 nicht einfacher geworden. Wie Sie alle wissen, setzen die Netzbetreiber nun auf Handys, die in der Lage sind DVB-T zu empfangen. Aus ihrer Sicht ist das durchaus verständlich. Was aber nicht sein kann, ist der Versuch, ihrerseits den Vertrieb von DVB-H-Handys zu blockieren. Schließlich kommen ca. 75 % aller Handys in Deutschland über die Netzbetreiber in den Markt. Wenn hier eine Blockade stattfindet, wäre das aus meiner Sicht ein Fall für das Bundeskartellamt. Noch interessanter wird es, wenn man an die technische Weiterentwicklung denkt. Der nächste Schritt wird wohl sein, dass die Mobilfunkunternehmen ihren Kunden Zusatzdienste über UMTS mittels eines sog. Multimedia-Broadcast-Multicast-Service, kurz MBMS, anbieten werden. Diese Technik hat gegenüber dem heutigen UMTS den unschätzbaren Vorteil, dass es sich dabei nicht mehr um eine Punkt-zu-Punkt-Übertragung handelt, sondern um eine Punkt-zu-Multipunkt-Übertragung. Das wäre aber Rundfunk und bedürfte insofern einer rundfunkrechtlichen Genehmigung.
 
Ich möchte hier an dieser Stelle nicht mehr weiter darüber spekulieren, was die Entwicklung in Deutschland in den kommenden Monaten bringen wird. Es wird aber sicher spannend bleiben. Wir sollten auch nicht vergessen, dass es sich bei der DVB-H-Genehmigung um ein Pilotprojekt handelt, in dem es für den Plattformbetreiber möglich sein muss, die Inhalte im Laufe des Projekts weiter zu entwickeln.
 
Dass Handy-TV in Deutschland kein Selbstläufer wird, haben auch die Ergebnisse der Begleitforschung des MI FRIENDS-Projekts gezeigt. Demnach gibt es im Bezug auf die mobile Mediennutzung zwei Grundströmungen. Einerseits wünschen sich die Nutzer, dass möglichst das komplette Programmangebot des klassischen Fernsehens mobil zur Ver­fügung steht, andererseits stellen die kurzen Zeitspannen, in denen in der Regel die Nutzung erfolgt, spezielle Anforderungen an die Erzählweise und die Aufbereitung der Inhalte. Die Herausforderung besteht also darin, dem Nutzer die gewünschten Programme in einer Form zur Verfügung zu stellen, die den mobilen Nutzungsgewohnheiten entspricht. Prinzipiell konnte eine große Nachfrage nach lokalen Inhalten festgestellt werden. Gleichzeitig sind die Qualitätsanforderungen der Nutzer sehr hoch und die Bereitschaft für die Angebote zu bezahlen relativ gering.
 
Die Inhalte sind ja auch das Thema der heutigen Veranstaltung. Von ihnen wird es primär abhängen, ob sich Mobile TV bei den Konsumenten durchsetzen wird. Der Durchbruch für die mobile Kommunikation wird aus meiner Sicht spätestens mit dem mobilen Internet kommen. Das „iPhone“ von Apple hat vorgemacht, wie es geht. Und mit der 4G-Technologie steht der Nachfolger von UMTS bereits in den Startlöchern. Mit ganz anderen Datenraten wie heute und mit vernünftigen Flatrates, werden wir ein rasantes Wachstum in diesem Bereich erleben. Letztlich wird es um die Mobilisierung des Web 2.0 gehen. Interessant ist die Frage, wer dann, wirtschaftlich gesehen, die großen Gewinner sein werden.
 
Soweit meine Ausführungen. Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit und wünsche Ihnen allen einen spannenden Verlauf dieses Kongresses.