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Grußwort von Prof. Dr. Wolf-Dieter Ring anläßlich des 15. Forums Medienpädagogik am 22.10.2009 in der BLM

22.10.2009 | P&R

Sehr geehrte Damen und Herren,

die Fachtagung des Forums Medienpädagogik hat eine langjährige Tradition und findet heuer zum 15. Mal statt. Es freut mich besonders, dass wir mit unserer Thematik dieses Jahr wieder so Viele interessieren konnten und Sie so zahlreich erschienen sind. Über 130 Teilnehmer haben sich im Vorfeld angemeldet.

An dieser Stelle möchte ich auch besonders alle Referenten und Referentinnen begrüßen. Ich freue mich, dass Sie unserer Einladung gefolgt sind und uns heute als Experten mit Vorträgen und Diskussionsbeiträgen zur Verfügung stehen. Begrüßen möchte ich auch die Mitglieder des Forums Medienpädagogik und die anwesenden Medienräte.

Als Anstalt des öffentlichen Rechts ist die Bayerische Landeszentrale für neue Medien sowohl für die Genehmigung und die Kontrolle als auch für die Entwicklung und die Förderung privater Rundfunkangebote, also Hörfunk und Fernsehen in Bayern, zuständig. Neben der Überwachung der Einhaltung der Programmgrundsätze, der Jugendschutzbestimmungen - auch im Internet - und der Werberegelungen gehört die Medienpädagogik zu den gesetzlich festgeschriebenen Aufgaben der BLM.

Im Rahmen ihrer gesetzlich aufgegebenen medienpädagogischen Arbeit trägt die BLM dazu bei, Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen einen kompetenteren Umgang mit Medien zu vermitteln. Dabei steht der Aspekt der Vermittlung technischen Wissens nicht primär im Mittelpunkt. Gefördert wird vielmehr die Kompetenz, Medien verantwortungsvoll zu nutzen. Konkrete Anhaltspunkte sind die Ergebnisse aus der Forschung als Grundlage für pädagogische Modelle in Erziehungs- und Bildungsarbeit auf der einen Seite und die praktische Medienerfahrung auf der anderen Seite. Ziel ist es, der Entwicklung neuer Kommunikationstechnologien sowie der zunehmenden Bedeutung der von Medien in allen Lebensbereichen Rechnung zu tragen.

In unserer Informationsgesellschaft gelten Kenntnisse auf dem Gebiet der Medienpraxis als Schlüsselqualifikation. Aus diesem Grund sind für uns Veranstaltungen wie die heutige, die sich an Multiplikatoren wie Lehrer, Erzieher und Mitarbeiter aus der freien Sozial- und Jugendarbeit richtet, von großer Bedeutung.

Veranstaltet wird die Fachtagung vom Forum Medienpädagogik der BLM. 1994 gegründet, treffen sich hier regelmäßig engagierte Medienräte, Rundfunkräte des BR sowie externe Fachleute aus dem Kultus- und dem Sozialministerium,
dem Ministerium für Justiz und Verbraucherschutz
dem Staatsinstitut für Frühpädagogik - IFP,
dem Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung - ISB,
dem Pädagogischen Institut der Landeshauptstadt München
dem Bayerischen Landesjugendamt,
dem FWU – Institut für Film und Bild,
dem Landesmediendienst Bayern e.V.,
der Aktion Jugendschutz,
dem Internationalen Zentralinstitut für das Jugend- und Bildungsfernsehen - IZI,
der Hochschule München,
dem evangelisch-lutherischen Kirchenamt,
der evangelischen Medienzentrale und der evangelischen
Arbeitsgemeinschaft zur Förderung der Medienkompetenz,
dem Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis JFF
und Kabel 1.

Das Forum Medienpädagogik befasst sich mit Inhalten, Methoden und Rahmenbedingungen der Medienpädagogik als Aufgabe in Gegenwart und Zukunft. Es begleitet die medienpädagogischen Projekte der BLM und bietet damit eine Plattform für die gesellschaftliche Debatte um Medienkompetenz.

Seit September 2008 gibt es darüber hinaus die Stiftung Medienpädagogik Bayern bei der BLM. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, medienpädagogische Aktivitäten und Akteure zu vernetzen und Medienkompetenz als Schlüsselqualifikation unserer Gesellschaft zu fördern.

Die BLM initiiert und unterstützt zahlreiche medienpädagogische Praxis- und Forschungsprojekte und Veranstaltungen. Dazu gehören u.a.:
In eigener Regie, bei dem seit 18 Jahren Kinder- und Jugendgruppen in ganz Bayern unter fachlicher Anleitung eigene Video-, Hörfunk- und Multimediaideen in die Praxis umsetzen können,
der FLIMMO, eine Programmberatung für Eltern
das Schulradio Bayern,
die Aus- und Fortbildungskanäle in München und Nürnberg,
die Stiftung Zuhören,
das Internet-ABC,
den Prix Jeunesse,
das Projekt Objektiv – Filme zum Thema Behinderung im Unterricht,
Ein Netz für Kinder, das im Mai 2007 ins Leben gerufen wurde um Kindern attraktiven und sichern Surfraum zu schaffen.

Aktuelle Forschungsprojekte und Veröffentlichungen sind z.B. unsere vom JFF durchgeführte fünfte Konvergenzstudie „Das Internet als Rezeptions- und Präsentationsplattform für Jugendliche“, deren erster Teil „Web 2.0 als Rahmen für Selbstdarstellung und Vernetzung Jugendlicher“ am 14. Mai 2009 in der BLM vorgestellt wurde oder das in Kooperation mit anderen Landesmedienanstalten herausgegebene Lehrerhandbuch „Knowhow für junge User“, das von der EU-Initiative klicksafe erarbeitet wurde und auch heute wieder zum Mitnehmen für Sie bereit liegt.

Die heutige Veranstaltung möchte einer Entwicklung Rechnung tragen, die sich auch in den Ergebnissen der KIM-Studie 2008 wiederfindet: Kinder und Jugendliche beginnen bereits früh mit der Nutzung eines breiten Medienangebots. Auch wenn bei Kindern zwischen 6 und 12 Jahren immer noch Fernsehen die beliebteste Medientätigkeit ist, bedienen sich jedoch bereits mehr als drei Viertel der Kinder zumindest bisweilen auch des Computers und des Internets. Die meisten Kinder nutzen den Computer sogar mindestens einmal pro Woche. Dabei verwenden sie den Computer zum Spielen – sowohl online als auch offline -, zum Surfen im Internet oder auch zum Arbeiten für die Schule und zur Recherche.
Da das Medienangebot für Kinder und Jugendliche weiter zunimmt und der Zugang zu den verschiedensten Medien Kindern immer früher möglich ist, sollte es uns ein Anliegen sein, Kinder von Anfang an kompetent zu begleiten um eine kritische Auseinandersetzung mit Medien zu fördern.
Da die Schule in unserer Gesellschaft eine prominente Stellung als Sozialisationsort von Kindern und Jugendlichen einnimmt, eignet sie sich besonders gut als Ansatzpunkt für eine umfassende Medienerziehung.
Eine Möglichkeit, dieses Ziel zu erreichen ist die Einführung eines einheitlichen Medienführerscheins an bayerischen Schulen, wie Herr Staatsminister Schneider bereits im April dieses Jahres forderte. Das Basiswissen für einen sicheren Umgang mit neuen Medien soll so über die Schulen vermittelt werden.
Doch bereits jetzt gibt es erfolgreiche Konzepte zur Medienerziehung im Unterricht. Die Herausforderung dabei ist die Umsetzung der Projekte im Schulunterricht im Rahmen der Lehrpläne, in denen die Medienerziehung verankert ist.
Im Rahmen der heutigen Veranstaltung werden wir Beispiele dazu kennenlernen, aber auch Probleme, auf die engagierte Lehrkräfte bei der Umsetzung stoßen können. Aufgrund dieser Erfahrungsberichte wird abschließend darüber diskutiert, in welcher Form sich Medienerziehung noch effektiver in den Schulunterricht integrieren lässt.

Medienpädagogik kann jedoch nicht als ein Allheilmittel jeglicher Probleme verstanden werden, die der Umgang mit den neuen Medien aufwirft. Implizit schwingen auch in medienpädagogischen Themen Jugendschutzfragen mit, wenn es beispielsweise darum geht, wie sich Kinder und Jugendliche sicher im Internet bewegen oder wie sie sich vor Cyber-Mobbing schützen können. Hier sieht man deutlich die Verzahnung von Medienpädagogik mit dem Jugendschutz. Denn bei der Nutzung neuer Medien wird es immer einer Aufsichtsinstanz bedürfen, die einen effektiven Jugendschutz auf der Anbieterseite gewährleistet, um somit Konsumenten vor entwicklungsbeeinträchtigenden und jugendgefährdenden Inhalten zu schützen.
Ich bin gespannt, auf welche Problemfelder besonders Lehrer, die an Schulen medienpädagogisch aktiv sind, stoßen und welche Lösungsvorschläge und Praxiserfahrungen unsere heute eingeladenen Experten im Laufe des Tages vorstellen werden. Ich wünsche Ihnen eine interessante Veranstaltung, mit Anregungen für Ihre weitere medienpädagogische Arbeit.

Herr Staatsminister Schneider, der Leiter der Bayerischen Staatskanzlei, und Frau Demmler, die Stellvertretende Direktorin des JFF – Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis, werden uns nun in ihren einführenden Referaten zunächst einen Überblick über das Thema aus medienpolitischer sowie aus medienpädagogischer Sicht geben.