Cookie Hinweis

Archiv / Suche:

Zurück zur vorherigen Seite

Grußwort von Prof. Dr. Wolf-Dieter Ring für die Veranstaltung „Der Morgen im Radio – Zwischen Information und Personality“ am 06.04.2011

06.04.2011 | P&R / 2011

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich darf Sie sehr herzlich zu unserer Veranstaltung „Der Morgen im Radio – Zwischen Information und Personality“ im Rahmen des BLM-Forums begrüßen. Unter dem Eindruck der Katastrophe in Japan und ihren Folgen bekommt das Thema dieser Veranstaltung eine ganz besondere Aktualität. Für die Morgensendung im Radio zwischen Informationsorientierung und Unterhaltungsshow gab es angesichts der dramatischen Zuspitzung der Ereignisse in Fukushima nach dem Erdbeben am 11. März nur eine Wahl: Viele Radiostationen mutierten zu Talkradios mit ausgedehnten Expertengesprächen und News-Updates einschließlich der aktuellen Windrichtung. Fukushima, wenngleich 10.000 km entfernt, ist für die Hörerinnen und Hörer hier neben dem Schrecken der Katastrophe natürlich relevant, weil es um die Atompolitik auch in Deutschland geht. Inzwischen stehen einige Atomkraftwerke still. Ein Ministerpräsident ist abgewählt, ein Parteivorsitzender zurückgetreten. Informationen sind in solchen Situationen von ganz enormer Bedeutung. Die Hörerinnen und Hörer benötigen Information, Einschätzungen und Einordnungen, um sich in einer Situation der sich überstürzenden Ereignisse ein Bild zu machen.

Die meisten Radiostationen sind längst wieder zu ihrem Normalprogramm zurückgekehrt, Fukushima gibt es vielleicht noch in den Nachrichten, aber inzwischen ist wieder „Alltag“: Aufstehen, Frühling, Vogelgezwitscher, Wetter, Verkehr und natürlich die beste Musik. Wollen es die Hörer nur so? Möglichst geschmeidig in den Tag begleitet zu werden, möglichst nichts, was den unbeschwerten Lauf der Woche von der Mühsal des Montags, mit „Bergfest“ am Mittwoch und Endlich-Freitag behindern kann?

Ausgangspunkt der heute vorgestellten Studie war interessanterweise eine Diskussion im Hörfunkausschuss. Ein Gast versuchte die Mitglieder des Hörfunkausschusses davon zu überzeugen, dass die Radiohörer heutzutage keine gebauten Beiträge mehr im Programm hören wollen. Es sei durch viele Berater belegt, dass der Moderator der Sendung alle Informationen und Themen transportieren müsse. Der klassische Informationsbeitrag sei von den Hörern nicht mehr gewünscht.

Diese Aussagen beschäftigten den Hörfunkausschuss - auch aufgrund der eigenen Hörerfahrung - so sehr, dass er die Geschäftsführung damit beauftragte, eine Studie über die Darstellungspräferenzen im Radio in Auftrag zu geben. Wir wollten also wissen, ob es empirische Belege dafür gibt, dass der journalistische, gebaute Radiobeitrag aus der Mode gekommen sei. Bei der weiteren Diskussion des Studiendesigns verständigen wir uns darauf, die Fragestellung nur bezogen auf die Morgensendung zu erheben. Hintergrund ist natürlich, dass die Morgensendung eine ganz besondere Bedeutung für jede Radiostation hat. Der Großteil der Tagesreichweite wird bereits am Morgen gewonnen, weshalb es nur konsequent ist, dass die Ressourcen der Stationen in besonderer Weise auf die Morgen-sendungen gebündelt werden.

Die am 9. März veröffentlichten MA-Zahlen belegten wieder sehr eindrucksvoll, wie erfolgreich die bayerischen Radioangebote sind – aber auch wie hart der Wettbewerb ist. So erreicht Bayern1 1,6 Mio. Hörer zwischen 8 und 9 Uhr, Antenne Bayern 1,4 Mio., Bayern 3 und die Lokalprogramme 1,1 Mio. in der stärksten Stunde am Morgen zwischen 7 und 8 Uhr. Diese Zahlen sind vor allem eine Bestätigung für die Talente im Radio: Natürlich die Moderatorenpersönlichkeiten, aber auch die kreativen Journalisten und Produzenten mit ihren Ideen.

Die MA-Zahlen zeigen jedoch auch, dass sich die Programmmacher im dualen System trotz ungleicher technischer Voraussetzungen und ungleicher finanzieller Ausstattung programmlich auf Augenhöhe messen. Positiv ist dabei besonders, dass die bayerischen Lokalradios mit guten Einschaltzahlen überzeugen: Das liegt einerseits an sehr erfolgreichen Morgenmoderatoren in einzelnen Stationen, von denen heute einige hier sind, es liegt aber auch an überzeugenden journalistischen Sendekonzepten, womit ich wieder beim Thema der Studie wäre, die nun gleich vorgestellt wird. Ich bin gespannt, welche Informationskonzepte und welche Präsentationsformen in einem zeitgemäßen Radio Platz haben. Es folgt dann der Impulsvortrag von Herrn Lynen über den Radiomoderator und anschließend die Podiumsdiskussion mit der ganzen Bandbreite der Hörfunkangebote in Bayern von unterschiedlichen Lokalradiostationen bis hin zu den privaten und öffentlich-rechtlichen landesweiten Angeboten.

Ich darf mich sehr für Ihr zahlreiches Erscheinen bedanken und wünsche Ihnen eine anregende Veranstaltung.