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Grußwort von Prof. Dr. Wolf-Dieter Ring zum 10-jährigen Geburtstag des ökumenischen Fernsehmagazins „Kirche in Bayern“ am 25. Mai 2011

25.05.2011 | P&R / 2011

- Es gilt das gesprochene Wort! -

Sehr geehrter Herr Staatsminister,
sehr geehrter Herr Dr. Jooß,
sehr geehrter Herr Dr. Gertz,
sehr geehrter Herr Büttner,
meine sehr geehrten Damen und Herren,

ich freue mich sehr, dass wir heute in den Räumen der Landeszentrale gemeinsam den zehnten Geburtstag des ökumenischen Fernsehmagazins „Kirche in Bayern“ feiern. Dies ist ein bedeutender Tag für die Verantwortlichen und die Macher dieses Magazins, das von 13 lokalen Fernsehsendern in Bayern ausgestrahlt wird. Aber nicht nur das: Es ist zugleich eine Bestätigung des bayerischen Lokalfernsehkonzepts, das auf Vielfalt und Lokalität setzt. Damit dieses Konzept trägt und erfolgreich ist, bedarf es journalistischer Professionalität und Qualität. Beides findet sich in hohem Maße in „Kirche in Bayern“. Das Magazin ist zwar kein Lokalmagazin im klassischen Sinn, dennoch passt es sehr gut in unser lokales Fernsehkonzept, weil sehr viele Themen in lokalen/regionalen Räumen verortet sind und damit in ihrer Gesamtheit die regionale Vielfalt Bayerns widerspiegeln. Dazu kommt, dass das Magazin ein gutes Beispiel für eine funktionierende Zusammenarbeit verschiedener Redaktionen in ganz Bayern ist. Eine solche Zusammenarbeit, die es auch in anderen Bereichen des lokalen Fernsehens gibt, stärkt das lokale Fernsehen insgesamt. Darüber hinaus ist „Kirche in Bayern“ natürlich auch ein gutes Beispiel für ökumenisches Handeln.

Wenn man aktuell einen Blick auf die Fernsehlandschaft in Deutschland wirft, meine Damen und Herren, wird man fast überwältigt durch die Vielzahl der deutschlandweit ausgestrahlten und für den deutschen Markt produzierten Programme: Derzeit sind es allein von privater Seite 76 Pay-TV-Angebote, 45 Spartenprogramme und 15 Vollprogramme. Dazu kommen über 20 Fernsehprogramme von ARD und ZDF, ganz zu Schweigen von den mehreren hundert ausländischen Programmangeboten, die über Satellit zu empfangen sind oder gar den zahllosen bewegten Bildern aus dem Internet. Wir haben es hier mit einer Flut von Angeboten zu tun, die für den einzelnen Zuschauer nicht mehr zu überschauen sind und deren Qualität in manchen Fällen zumindest zweifelhaft ist.

Wenn Sie in den letzten Wochen auf der Suche waren nach Informationen etwa zur aktuellen Situation in Japan oder zu den Entwicklungen in arabischen Ländern, dann haben Sie Informationen in Dutzenden in- und ausländischer TV-Kanäle, in Beiträgen auf YouTube und in zigtausend Berichten, Kommentaren, Einlassungen auf Twitter oder Facebook gefunden. Wenn Sie z.B. heute den Namen des japanischen Atomkraftwerks „Fukushima“ als Suchbegriff in Google eingeben, finden Sie etwa 100 Millionen Nennungen.

Was will ich damit sagen? Ich möchte mit diesen plastischen Zahlen verdeutlichen, dass wir bei nationalen oder internationalen Themen auf eine kaum überschaubare Vielfalt von Informationen und Quellen zurückgreifen können. Während wir es bei lokalen Themen mit einer ganz anderen Situation zu tun haben: Außerhalb der beiden großen bayerischen Ballungsräume ist es die Regel, dass sich die Bürger lediglich aus einer lokal berichtenden Tageszeitung informieren können. Dazu kommen ein Lokalradio und ein lokaler Fernsehsender. Neben der lokalen Tageszeitung, die allerdings immer weniger junge Menschen erreicht, trägt vor allem das lokale Fernsehen zur Information über das lokale und regionale Geschehen in Politik und Wirtschaft, Gesellschaft und Kirche, Kultur und Sport bei, natürlich unter Einbeziehung der Anliegen der Bürger und der in der Region tätigen Gruppen und Institutionen. Das lokale Fernsehen hat nicht nur eine wichtige Funktion, wenn es um die Meinungsbildung über das lokale Geschehen geht, sondern stärkt auch das Selbstbewusstsein und die Identifikation der Bewohner mit ihrer Region in einer immer stärker durch Bilder geprägten Welt.

Lokalfernsehen gibt Orientierungshilfe und kann die Motivation der Bürger zur Teilnahme am kommunalen, sozialen, gesellschaftlichen, politischen und kirchlichen Leben stärken.
Die Nähe der lokalen Fernsehstationen zu ihren Zuschauern und die Vertrautheit der überwiegend vor Ort rekrutierten Mitarbeiter mit ihrem Publikum ist Basis für die hohe Akzeptanz, die Lokal-TV von Beginn an bei den Zuschauern erzielen konnte. Gerade in einer immer stärker globalisierten Welt wächst das Interesse der Zuschauer, Informationen aus ihrem unmittelbaren Lebensumfeld zu erhalten.

Derzeit können 71 Prozent der Bevölkerung in Bayern lokales Fernsehen empfangen. In den Empfangshaushalten schauen täglich 15 Prozent der Zuschauer lokale Programme. Dies sind bayernweit Tag für Tag immerhin knapp 815.000 Personen. Damit belegt Lokal-TV Platz 13 in der Rangliste aller TV-Programme, in den Empfangshaushalten sogar Platz 9 nach VOX und dem Bayerischen Fernsehen. Den größten Zuschaueranteil erreichen die lokalen Fernsehprogramme an Werktagen zwischen 18:00 und 18:30 Uhr, wenn sie in ihren Verbreitungsgebieten als lokale Fenster im Programm von RTL ausgestrahlt werden. In dieser Zeit liegen sie in der Gunst der Zuschauer auf dem ersten Platz, noch vor dem Bayerischen Fernsehen und dem ZDF.

Es sind aus meiner Sicht drei Aspekte, die entscheidend sind, um die gute Akzeptanz des lokalen Fernsehens beim Zuschauer zu erhalten und möglichst noch zu verbessern: Es geht einmal darum, die technischen Reichweiten zu erhöhen. Dass 71 Prozent der Bevölkerung in Bayern lokales Fernsehen empfangen können, ist ein guter Wert, der gleichzeitig aber auch bedeutet, dass es fast 30 Prozent nicht empfangen können. Wir müssen also erstens daran arbeiten, die technische Reichweite weiter zu erhöhen. Es geht zum Zweiten darum, die Vielfalt zu erhalten. Die Vielfalt, gerade was kirchliche, soziale und kulturelle Themen angeht, kommt in hohem Maße von den Spartenanbietern und Zulieferern, wie z.B. „Kirche in Bayern“. – Es geht drittens darum, Professionalität und Qualität zu stärken und weiter zu optimieren. Die Zuschauer sind von den nationalen Fernsehsendern ein Qualitätsniveau gewohnt, hinter das lokale Sender möglichst nicht zurückfallen sollten. Dass auch hier „Kirche in Bayern“ Vorbild sein kann, zeigen die Erfolge des Magazins bei der Verleihung der Bayerischen Lokalfernsehpreise in den vergangenen Jahren. Wir werden im Laufe der heutigen Veranstaltung Ausschnitte davon zu sehen bekommen.

Um diese drei Vorgaben zu erreichen, braucht das lokale Fernsehen dauerhaft Unterstützung. Da dies ein Grußwort zu einem sehr erfreulichen Ereignis ist, werde ich daraus jetzt keine medienpolitische Grundsatzrede machen. Staatsminister Dr. Marcel Huber ist hier und wir haben im Rahmen dieser Veranstaltung eine kleine Diskussionsrunde, da kann man dann das ein oder andere vertiefen. Ich bin sicher, die folgenden Filmbeispiele aus zehn Sendejahren „Kirche in Bayern“ werden eindrucksvoll belegen, dass es vor allem aus Sicht der Zuschauer eine wichtige medienpolitische Aufgabe bleibt, Lokal-TV zu erhalten und zu fördern.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.