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Grußwort zu den Medientagen München 2011 von Siegfried Schneider, Vorsitzender der Gesellschafterversammlung der Medientage München GmbH und Präsident der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien

19.10.2011 | P&R / 2011

- ES GILT DAS GESPROCHENE WORT! -

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident,
sehr geehrter Herr Haller,
sehr geehrter Herr Tichy,
meine sehr geehrten Damen und Herren,

ich darf Sie alle sehr herzlich zur Eröffnung der 25. Medientage München hier im Internationalen Congress Center der Messe München begrüßen. Mit 25 Jahren Medientagen können wir heute ein rundes Jubiläum feiern: Das zeigt, wie lange der Medienstandort Bayern schon in der ersten Liga mitspielt. 1987, bald nach dem Start des privaten Rundfunks in Deutschland, fanden die ersten Medientage München statt, damals noch in einem Münchner Hotel. Mittlerweile füllt der dreitägige Medienkongress das Internationale Congress Center München und hat sich zu einem der wichtigsten Treffen der Medien- und Kommunikationsbranche in Europa entwickelt: 60 Aussteller, 500 Referenten und 5.000 Besucher kommen jährlich zu diesem Branchentreff mit rund 90 Einzelveranstaltungen.

Meine Damen und Herren, ich möchte Sie nicht mit zu vielen Erfolgsmeldungen quälen, aber anlässlich eines solchen Jubiläums gehören diese Meldungen und ein Blick zurück auf wichtige Meilensteine einfach dazu. Ein solcher Meilenstein ist sicher die Integration der Fachausstellung „digital signs“ als kongressbegleitende Messe im Jahr 1999 und damit auch die Einführung des Ausbildungsareals durch die Kooperation mit dem Mediencampus Bayern. Beide Elemente sind für die Medienkonsumenten konzipiert worden und deshalb kostenfrei zugänglich. Für den Nachwuchs bietet das Aus- und Fortbildungsareal wertvolle Informationen über Ausbildungswege in der Medienbranche, und die technisch interessierten Nutzer können auf der Messe neue Entwicklungen aus der digitalen Welt kennenlernen.

Der Begriff „digital signs“ markiert auch eine inhaltliche Neuausrichtung: Nachdem die Medientage München GmbH die Veranstaltung des Kongresses und der Fachmesse 1999 übernommen hatten, wurde schnell deutlich, dass in den thematischen Schienen der Medientage die Begriffe Multimedia und Internet nicht mehr fehlen durften und dem Mediengipfel weitere Gipfel folgen sollten. Dazu gekommen sind bis 2011: der Publishing-Gipfel, der Infrastruktur-Gipfel, der Online-Gipfel und der Content-Gipfel. Digitalisierung und Konvergenz haben dazu geführt, dass die Abbildung der klassischen Medien in den Schienen Print, Film, Fernsehen und Radio schon seit Jahren nicht mehr ausreicht. Im Jubiläumsjahr haben die Medientage nun erneut die Programmstruktur verändert: Mit „Fernsehen und Online“, „Mobile und Online“, „Social Media“, „Publishing“ sowie „Medien und Gesellschaft“ gibt es neue Programmschienen, die bewusst auf die ökonomischen und gesellschaftlichen Veränderungen durch das Internet eingehen. Der Content-Gipfel mit dem Thema „Meinungsbildung heute – Wer setzt die Themen auf die politische Agenda?“ ist erstmalig als Abschlussveranstaltung des Kongresses konzipiert.

Sie hören schon: In der digitalen Medienwelt kommen wir ohne Anglizismen kaum mehr aus. Einen Blick zurück ins analoge Zeitalter können Sie nachher während des Mediengipfels werfen: Bilder aus 25 Jahren Medientage-Geschichte zeigen, wie es einmal war und wer so alles dabei war. Neben Branchen-Altmeistern wie Helmut Thoma oder Georg Kofler werden Sie auf den Bildern auch den langjährigen Dompteur der so genannten „Elefantenrunde“, Helmut Markwort, wieder erkennen. Nach über einem Jahrzehnt Moderation des Mediengipfels gibt er in diesem Jahr den Stab an den Wirtschaftswoche-Chefredakteur Roland Tichy ab. Dem professionellen „Dompteur“, der mit Witz und Esprit jedes Jahr mehr als zehn Branchengrößen bei Laune halten musste, gilt unser Dank und unsere Anerkennung. Herzlichen Dank Herr Markwort. Herzlich Willkommen Herr Tichy. Wir sind gespannt auf seinen Nachfolger, der möglicherweise die ökonomische Sichtweise noch etwas verstärken wird. Wie wichtig dieser Blickwinkel ist, zeigt die Entwicklung der Medientage München. Denn Medien, zumindest die privaten, müssen sich selbst finanzieren, und das erfolgt in erster Linie durch Werbung. Deshalb ist in diesem Jahr auch der Hauptgeschäftsführer der Mediaagentur Serviceplan, Florian Haller, als Keynote-Speaker des Mediengipfels eingeladen, um uns die Veränderungen im Zeitalter von Tablet-PCs, Smartphones, Hybrid-TV und sozialen Netzwerken zu erläutern. Vielen Dank Herr Haller für Ihre Bereitschaft.

„2011 ist sicher ein guter Zeitpunkt, das Bändigen der Alpha-Tiere einem etwas jüngeren Kollegen zu überlassen“, hat Markwort seinen Rückzug vom Mediengipfel kommentiert. Auch ich werde heute - erstmals in meiner Funktion als BLM-Präsident und Vorsitzender der Gesellschafterversammlung der Medientage München - zu diesen Alpha-Tieren gehören, nachdem mein Vorgänger in diesen Ämtern, Prof. Dr. Wolf-Dieter Ring, mir den Stab zum 1. Oktober 2011 übergeben hat. Prof. Ring hat für die Medientage München GmbH großartige Arbeit geleistet und wichtige Impulse gegeben, für die ich ihm an dieser Stelle ausdrücklich danken möchte. Er ist sicher maßgeblich daran beteiligt gewesen, dass der Blick auf das Zusammenspiel zwischen Medien und Gesellschaft bei den Medientagen nicht zu kurz kommt und es neuerdings sogar eine eigene Themenschiene dafür gibt. Alles Gute Herr Prof. Ring für Ihren Ruhe- und Unruhestand.

Und was zeichnet die heutige Mediengesellschaft nun aus? Sie ist vernetzt. Was vor
10 Jahren noch eine Zukunftsvision war und mit den inflationär gebrauchten Begriffen Konvergenz und Digitalisierung beschrieben wurde, ist im Jahr 2011 zur Wirklichkeit geworden.

„Mobile – Local – Social: Dreiklang der vernetzten Gesellschaft“

lautet folgerichtig das Motto der diesjährigen Medientage. Die drei Begriffe stehen für einen Paradigmenwechsel in der Mediennutzung, begründet durch den Siegeszug von Smartphones und Tablet-PCs. Das neue Schlagwort der Kommunikationsbranche lautet „SoLoMo“ (für Social – Local – Mobile), geprägt durch die amerikanische Analystin Mary Meeker. Sie hat sich in Bezug auf Prognosen zur Entwicklung des Internets einen Namen gemacht und wird dafür gerühmt, ein unfehlbares Gespür für Trends zu haben.

Zwei Entwicklungen also eröffnen komplett neue Kommunikations- und Werbechancen: zum einen die mobile Internetnutzung, die dank entsprechender Geräte enorm zugenommen hat, und zum anderen die genaue Lokalisierung des Nutzerstandortes. Das wird die Medienlandschaft in den kommenden Jahren prägen. Denn nun ist es ohne weiteres möglich, ein detailliertes Profil des Medien- und Konsumverhaltens der Nutzer zu erstellen. Facebook sieht hier offenbar auch eine lukrative Verdienstquelle, wie die Diskussion über die Daten-Sammelwut des führenden sozialen Netzwerkes zeigt.

Die vernetzte mobile Gesellschaft, meine sehr geehrten Damen und Herren, birgt also nicht nur Chancen wie neue Geschäftsmodelle oder politische Partizipation, sondern auch Risiken im Hinblick auf Datenschutz und Persönlichkeitsrechte. Dieser Aspekt wird auf dem Onlinegipfel noch ausführlich erörtert werden. Die Transparenz, die von den Netzaktivisten immer mit Blick auf das freie Internet gefordert wird, müssen wir auch von den Internet-Unternehmen einfordern – zum Schutz der Verbraucher. Und wir müssen den Bürgern, gleich welchen Alters, mittels entsprechender Medienkompetenz-Maßnahmen zeigen, wie sie die neuen Möglichkeiten gewinnbringend nutzen können und wo sie auf ihre Rechte pochen sollen. Denn Medienkompetenz ist eine zentrale Schlüsselkompetenz in der vernetzten Gesellschaft und muss genauso wichtig wie das Lesen, Schreiben und Rechnen lernen werden.

Die Vermittlungsfunktion zwischen digitaler Medienwelt und Gesellschaft ist und wird auch eine wesentliche Aufgabe der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien sein. Nicht umsonst führt die BLM den Begriff neue Medien im Namen. Ihr Aufgabenfeld geht weit über die Lizenzierung des klassischen Rundfunks hinaus. Angesichts der durch das Internet maßgeblich beeinflussten gesellschaftlichen Entwicklung gilt es für die Landeszentrale künftig, adäquate Schwerpunkte zu setzen: Zukunftsfragen wie Netzneutralität, soziale Netzwerke, der Umgang mit Plattformen wie Google TV oder dem wachstumsstarken Games-Sektor erfordern nach meiner Überzeugung eine notwendige Positionierung der Landeszentrale.

In den nächsten drei Tagen werden wir genügend Zeit haben, diese und andere Themen zu diskutieren, sicher auch kontrovers. Dafür hat das Team der Medientage München, dem ich an dieser Stelle herzlich danken möchte, mit der Besetzung der Podien gesorgt. Ganz besonders freue ich mich, dass ich nun – erstmals als Gastgeber der Medientage München - das Wort an den Bayerischen Ministerpräsidenten übergeben darf.

Meine sehr verehrten Damen und Herren!
Herzlich Willkommen bei den Medientagen 2011.