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Grußwort zu den MEDIENTAGEN MÜNCHEN 2013 von Siegfried Schneider, Vorsitzender der Gesellschafterversammlung der Medientage München GmbH und Präsident der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien

16.10.2013 | P&R

ES GILT DAS GESPROCHENE WORT!

Sehr geehrter Frau Staatsministerin,
sehr geehrte Frau Pohl,
sehr geehrter Herr Wilhelm,
meine sehr geehrten Damen und Herren,

ich darf Sie alle sehr herzlich zur Eröffnung der 27. MEDIENTAGE MÜNCHEN im Internationalen Congress Center der Messe München begrüßen. Mein besonderer Gruß und Dank gilt an dieser Stelle Frau Staatsministerin Ilse Aigner, die heute in ihrer Funktion als Stellvertretende Ministerpräsidentin und neue Medienministerin, Ministerpräsident Horst Seehofer vertritt, der noch im Zuge der Sondierungsgespräche und Koalitionsverhandlungen in Berlin gebunden ist.

Das Motto der MEDIENTAGE ist in diesem Jahr „Mobile Life: Herausforderung für Medien, Werbung und Gesellschaft“. Damit greifen die Medientage eine Entwicklung auf, die inzwischen weite Teile der digitalen Wirtschaft erfasst hat: Aus dem Leitspruch „Online first“ wird immer häufiger die Devise „Mobile first“. Wir alle können im Alltag beobachten, wie dieser Trend ständig mehr Menschen erfasst: die Zahl derer, die auf dem Weg zur Arbeit in U-Bahnen, Straßenbahnen oder Bussen in gedruckten Zeitungen oder Büchern blättern, geht deutlich zurück. In gleichem Maße wächst der Anteil derer, die auf E-Readern Romane lesen, sich auf Tablets über Politik, Wirtschaft und Gesellschaft informieren, sei es in der elektronischen Tageszeitung oder anderen Newsplattformen, die auf WhatsApp oder Facebook Neuigkeiten austauschen oder sich die Fahrtzeit mit Handygames verkürzen.

Diese Alltagsbeobachtungen werden durch aktuelle Studien bestätigt: So soll inzwischen jede fünfte Website von einem mobilen Gerät aufgerufen werden. Die Internetnutzung über Smartphones und Tablets nimmt rasant zu. 70 Prozent der Internetnutzer gehen mobil über ihr Smartphone online, jeder fünfte Onliner benutzt ein Tablet und fast ebenso viele haben ihre Spielkonsole an das Netz angeschlossen. Auch zu Hause nutzen die Leute immer weniger stationäre Geräte, sondern greifen zum Smartphone oder Tablet.

Apps sind ein extrem wichtiges Geschäftsfeld geworden. Mehr als 100 Mrd. Apps sollen in diesem Jahr auf mobile Geräte heruntergeladen werden. In den kommenden vier Jahren soll sich diese Zahl mehr als verdoppeln. Die Allgegenwärtigkeit mobiler Endgeräte verändert den Medienkonsum, sie verändert die Werbung und Vermarktung von Produkten und sie verändert ein Stück weit unsere Gesellschaft. Diese Veränderungsprozesse haben wir in diesem Jahr ins Zentrum der Medientage gestellt.

Aber natürlich werden uns auch andere wichtige Themenfelder der digitalen Transformation beschäftigen. Ein Thema, das uns seit Jahren begleitet und für fast alle Unternehmen im Mittelpunkt ihrer Überlegungen steht, sind ökonomisch tragfähige Geschäftsmodelle. Hier gibt es aktuell in mehrfacher Hinsicht berechtigten Grund zur Hoffnung: So wurde Mitte August gemeldet, dass die deutsche Musikbranche im ersten Halbjahr 2013 zum ersten Mal seit vielen Jahren wieder gewachsen ist. Und diesmal kommt das Wachstum aus dem Netz. Aus eben dem Netz, das durch illegale Downloads mehr als ein Jahrzehnt für den Niedergang der Branche verantwortlich gemacht wurde. Endlich steigen die Erlöse aus Downloads und Streamings. Ist das nun die Trendwende über die Musikbranche hinaus auch für die Filmindustrie, die Buchverlage, den Journalismus? Es gibt zumindest erste Mut machende Anzeichen dafür. Und auch hier spielt die Zunahme von vernetzten mobilen Geräten eine wichtige Rolle.

Streaming-Anbieter sowohl aus der Musikbranche als auch aus dem Filmgeschäft verzeichnen deutliche Zuwachsraten. Das Beispiel der New York Times mit 700.000 zahlenden Online-Abonnenten, aber auch weitere Beispiele aus der Printbranche belegen, dass Qualitätsjournalismus und wirtschaftlicher Erfolg in der digitalen Welt keine Gegensätze sein müssen. Und die Entwicklung im amerikanischen Buchmarkt zeigt gerade, dass eine Koexistenz zwischen analog und digital sehr wohl möglich ist: 2012 haben die E-Book-Verkäufe noch einmal um fast 50 Prozent zugenommen, gleichzeitig sind aber auch die Verkaufszahlen von Hardcover-Büchern deutlich gestiegen.
Diese Meldungen aus unterschiedlichen Branchen sind noch kein Beleg dafür, dass jetzt goldene Zeiten anbrechen, aber sie zeigen, dass die digitale Transformation auch wirtschaftlich erfolgreich gestaltet werden kann.

Gestalten ist das richtige Stichwort für eine notwendige Transformation auch in der Medienpolitik. Nach den zwei großen Wahlen ist sicher nicht nur aus meiner Sicht der richtige Zeitpunkt das Projekt „konvergente Medienregulierung“ anzugehen. Was wir brauchen, ist eine Regulierung, die die einzelnen Mediengattungen nicht länger getrennt, sondern der konvergenten Realität entsprechend behandelt. Das gemeinsame Ziel von Gesetzgebung, Regulierung und Aufsicht muss sein, Chancengleichheit sowohl für alle Medienarten als auch für den Standort Deutschland im internationalen Wettbewerb zu schaffen.

Mit der Digitalisierung befinden sich Medienunternehmen in einem völlig neuen Wettbewerb. Klassische Medien- und Internetangebote konkurrieren nicht nur untereinander, sondern stehen auch im Wettbewerb mit großen internationalen Unternehmen. Fair ist dieser Wettbewerb nur dann, wenn für alle Wettbewerber die gleichen rechtlichen Rahmenbedingungen gelten. Europäische und internationale Medienunternehmen müssen unter fairen und vergleichbaren Rahmenbedingungen agieren können. – Entscheidende Eckpfeiler sind dabei das Urheberrecht, das Steuerrecht, der Datenschutz, der Zugang zu den Netzen und die Auffindbarkeit, die Definition der Märkte einschließlich des Medienkonzentrationsrechts und des Jugendmedienschutzes.

Ich möchte an dieser Stelle noch einmal auf den MedienVielfaltsMonitor der BLM verweisen, der sowohl die unterschiedlichen Medienangebote einschließlich Internet und öffentlich-rechtlichem Rundfunk erfasst als auch deren Gewicht für die Meinungsbildung. Wir sind davon überzeugt, dass der MedienVielfaltsMonitor eine gute und pragmatische Grundlage ist, um für Medienvielfalt innerhalb eines konvergenten Ordnungsrahmens zu sorgen. Das gilt auch für den häufig vernachlässigten, aber aus meiner Sicht immer wichtiger werdenden lokalen und regionalen Bereich.

Ein Ergebnis des MedienVielfaltsMonitors ist, dass die Meinungsvielfalt auf nationaler Ebene derzeit gesichert ist. Da ist es naheliegend, generell die Frage nach der weiteren Notwendigkeit von Drittsendezeiten im Fernsehen zur Vielfaltssicherung zu stellen. Ich bin überzeugt, dass wir alle Anstrengungen unternehmen müssen, um die Regionalfenster und die regionale Berichterstattung zu sichern. Auf die Drittsendezeiten kann aus meiner Sicht unter Vielfaltsgesichtspunkten in Zukunft eher verzichtet werden.

Ministerpräsident Seehofer hat hier vor einem Jahr angekündigt, sich um eine faire, konvergente Medienordnung zu kümmern, in der die Interessen aller Beteiligten berücksichtigt werden. Dazu hat es einen runden Tisch mit Vertretern aus Bund, Ländern und Unternehmen gegeben. Ich gehe davon aus, dass die stv. Ministerpräsidentin in ihrer anschließenden Rede die Ergebnisse kurz vorstellen wird. Darüber hinaus gibt es heute Nachmittag um 14:00 Uhr eine eigene Panelrunde, in der die Handlungsempfehlungen des Runden Tisches diskutiert werden.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

die einzige Konstante ist der Wandel. Diesem Gesetz unterliegen auch die MEDIENTAGE und das diesjährige Programm zeigt, dass sie offen sind für den Wandel.
So gibt es zum Beispiel eine ganze Reihe neuer Protagonisten bei den fünf Gipfelveranstaltungen. Stellvertretend möchte ich an dieser Stelle die taz-Chefredakteurin, Ines Pohl, herzlich begrüßen, die in diesem Jahr erstmals den Mediengipfel moderieren wird.

Als Besucher der MEDIENTAGE werden Sie auch schlankere und kürzere Formate erleben. Neu im Programm sind u.a. ein umfangreiches, praxisorientiertes Seminarangebot und die Gamify Conference, die am Freitag stattfinden wird. Mein Dank gilt an dieser Stelle dem Team der MEDIENTAGE, das für diese und weitere Neuerungen verantwortlich ist.

Während die MEDIENTAGE in ihrer Gesamtheit internationaler werden, sind sie bei ihrer Eröffnung so bayerisch wie nie, zunächst mit der Eröffnungsrede der stellvertretenden Ministerpräsidentin und neuen Wirtschafts- und Medienministerin, Ilse Aigner und danach mit der Keynote des Intendanten des Bayerischen Rundfunks, Ulrich Wilhelm. Bei den MEDIENTAGEN ist es wie in der Politik: Entscheidende Impulse kommen aus Bayern!

Uns allen wünsche ich in den kommenden drei Tagen spannende und aufschlussreiche Diskussionen, anregende Gespräche und beste Unterhaltung.

Noch einmal herzlich willkommen auf den MEDIENTAGEN MÜNCHEN 2013!