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Vortrag von BLM-Präsident Siegfried Schneider beim Medienclub München am 25. Februar 2014

26.02.2014 | P&R / 2014

- Es gilt das gesprochene Wort! -


Sehr geehrter Herr Sinner, lieber Eberhard,
lieber Herr Lesch,
liebe Frau Schardt,
meine sehr geehrten Damen und Herren,

ich danke herzlich für die Einladung, der ich auch in diesem Jahr gerne gefolgt bin. Ich möchte mich heute Abend vor allem auf vier Themenbereiche konzentrieren, die die Landeszentrale in diesem Jahr besonders beschäftigen werden: Wie kommen wir weiter in Sachen konvergente Medienregulierung, ein Thema das immer mehr in den medienpolitischen Fokus rückt, seit Ministerpräsident Seehofer auf den Münchner Medientagen 2012 mit dem Runden Tisch Schwung in diese Debatte gebracht hat. Ein Dauerthema seit vielen Jahren ist die Zukunft des Hörfunks. Die BLM wird dazu noch vor der Sommerpause ein Papier vorlegen, das einen Fahrplan bis ins Jahr 2020 enthalten wird. Ein weiterer Dauerbrenner ist die Zukunft des lokalen Fernsehens. Hier gibt es Fortschritte, wir sind allerdings noch nicht am Ziel. Und schließlich werde ich auf die Aktivitäten der BLM für den Medienstandort eingehen, ein Feld, das mir persönlich besonders am Herzen liegt.

Es ist ziemlich genau 30 Jahre her, dass das private Fernsehen in Deutschland gestartet ist. Tobias Schmid, der Vorstandsvorsitzende des VPRT, hat kürzlich in diesem Zusammenhang von einer „medialen Demokratisierung“ gesprochen. Sowohl der private Rundfunk als auch die Medienpolitik stehen nach diesen 30 Jahren vor ihrer bisher größten Herausforderung: der Überführung in die konvergente Medienwelt. Während vor allem das private Fernsehen diesen Schritt weitgehend getan hat – die Angebote der Sender sind mittlerweile auf allen Plattformen und Bildschirmen vertreten – tat sich der Gesetzgeber bisher schwer damit, einen entsprechenden ordnungspolitischen Rahmen folgen zu lassen, der die konvergente Realität hinreichend abbildet und sowohl der veränderten Wettbewerbssituation als auch den neuen Angebots-, Zugangs- und Nutzungssituationen Rechnung trägt.
Mein Eindruck ist, dass wir mittlerweile einen Schritt weiter sind, vor allem auch durch den Runden Tisch in Bayern, der weiter arbeitet und bis Ende Juni weitere konkrete Vorschläge vorlegen will. Eckpfeiler für eine neue konvergente Medienregulierung muss in Zukunft die Relevanz von audiovisuellen Inhalten sein und nicht mehr die Linearität als Abgrenzungskriterium für Rundfunk und Nicht-Rundfunk. Die inhaltliche Regulierung sollte dabei als wesentliche Regulierungsziele den Schutz elementarer Werte unserer Gesellschaft im Auge haben, d.h. insbesondere den Jugend(medien)schutz und die Achtung der Menschenwürde. Ein weiteres wichtiges Ziel von Gesetzgebung, Regulierung und Aufsicht muss sein, Chancengleichheit sowohl für alle Medienarten als auch für den Standort Deutschland im internationalen Wettbewerb zu schaffen. Fair ist dieser Wettbewerb nur dann, wenn für alle Wettbewerber die gleichen rechtlichen Rahmenbedingungen gelten. Europäische und internationale Medienunternehmen müssen unter fairen und vergleichbaren Rahmenbedingungen agieren können. Entscheidende Eckpfeiler sind dabei das Urheberrecht, das Steuerrecht, der Datenschutz, der Zugang zu den Netzen und die Auffindbarkeit. (Chart)

Ein weiterer Eckpfeiler einer konvergenten Medienregulierung könnte der Aspekt „Anreizregulierung“ sein: Medienunternehmen, die einen besonderen Beitrag im Sinne eines „public value“ leisten oder besondere inhaltliche Vielfaltsanforderungen erfüllen, könnten sich damit bestimmte Vorteile verdienen. Dieser Ansatz findet sich auch im Koalitionsvertrag, dem zufolge „private und öffentlich-rechtliche audiovisuelle Medienangebote und journalistisch-redaktionelle Inhalte, die einen Beitrag im Sinne des public value leisten“, einen „diskriminierungsfreien Zugang zu Distributionswegen und eine herausgehobene Auffindbarkeit erhalten“ sollen.

Der aktuelle nationale Fahrplan für das Projekt „konvergente Medienregulierung“ sieht vor, dass die Rundfunkkommission der Länder zunächst Vorstellungen für den zukünftigen Ordnungsrahmen entwickelt. Danach soll es eine zeitlich befristete und mit einem klaren Auftrag versehene gemeinsame Bund- Länder-Kommission geben, um konkrete Ansätze auszuarbeiten, in die auch das Telekommunikationsrecht und das Wettbewerbsrecht einbezogen werden. Ich denke, die Zielrichtung ist mittlerweile allen klar, deshalb bin ich optimistisch, dass diesmal eine für alle akzeptable und möglichst zeitnahe Umsetzung gelingen kann, die zu einem Ausgleich zwischen der Verwirklichung gesellschaftspolitisch wünschenswerter Ziele und einer fairen Regulierung aus Sicht der Unternehmen führt.

„Fairer Wettbewerb“ ist nicht nur ein wichtiges Stichwort im Hinblick auf eine konvergente Medienregulierung, sondern auch in Bezug auf das duale System. Ende vergangenen Jahres wurde bekannt, dass in dieser Gebührenperiode durch die neue Haushaltsgebühr für die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten mit Mehreinnahmen in Höhe von etwa 1 Mrd. Euro gerechnet wird. Damit besteht erstmals in der Geschichte der Rundfunkfinanzierung die Möglichkeit, nicht nur eine Beitragssenkung in Aussicht zu stellen, sondern auch bedeutsame medienpolitische Anliegen zu realisieren. Die Landesmedienanstalten und insbesondere die BLM haben in der Vergangenheit immer wieder deutlich gemacht,

– dass eine Reduzierung der Werbung im öffentlich-rechtlichen Rundfunk vor allem für das duale Hörfunksystems wichtig ist, um bestehende Wettbewerbsverzerrungen zu beseitigen.
– Und dass das lokale Fernsehen einen wichtigen Beitrag zur Grundversorgung im lokalen/regionalen Bereich leistet, sich aber nicht aus eigener wirtschaftlicher Kraft voll finanzieren kann.

Die Reduzierung der Werbung im öffentlich-rechtlichen Hörfunk analog dem NDR-Modell auf werktäglich 60 Minuten und ein Programm würde weder dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk noch der Gattung Radio (als Werbemedium) schaden. In der Vergangenheit gab es auch im Lager des privaten Rundfunks unterschiedliche Positionen in dieser Frage. Die Sorge war, dass sich durch eine Reduzierung der Werbemöglichkeiten des öffentlich-rechtlichen Hörfunks die Bedeutung von Radio als national relevantes Werbemedium reduzieren wird. Eine Studie des Hamburger Instituts Ebiquity hat diese Befürchtung entkräftet. Selbst bei leicht zurückgehenden Reichweitenwerten von im Durchschnitt ca. drei Prozent bietet Radio im Vergleich zu anderen Medien nach wie vor einen sehr schnellen und hohen Reichweitenaufbau. Es ist auch unter dieser Prämisse bei ähnlichen Reichweiten deutlich günstiger als TV und erreicht höhere Reichweiten als Print und Online. Medienpolitisch liegt der Ball bei den Ländern. Sie haben die einmalige Chance, mit einer Reduzierung der Werbung im ARD-Hörfunk auf einheitlich 60 Minuten, Wettbewerbsverzerrungen im dualen Hörfunksystem zu verringern und damit die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für den privaten Hörfunk nachhaltig zu verbessern – ohne finanzielle Nachteile der ARD-Sender, wenn die Länder der aktuellen Empfehlung der KEF folgen, die Erlösausfälle aus Werbung aus der Haushaltsgebühr zu kompensieren. Die KEF spricht hier von 25 Cent.

Die Situation des lokalen Fernsehens ist nach wie vor nicht einfach. Nach der aktuellen Studie zur Wirtschaftlichen Lage des Rundfunks sind die Erträge beim Lokalfernsehen 2012 gegenüber dem Vorjahr um 2,3 Prozent gesunken, der Kostendeckungsgrad ist von 98 auf 96 Prozent zurückgegangen. Es handelt sich hier um einen deutschlandweiten Trend. Trotz der allgemein sehr hohen Kosteneffizienz der Lokalsender gelingt es ihnen insgesamt nach wie vor nicht, ihre lokalen Programme aus Werbung oder sonstigen Geschäftsmodellen zu finanzieren.

Wie die meisten von Ihnen wissen, erhalten die Landesmedienanstalten derzeit knapp 1,9 Prozent des Rundfunkbeitrags für ihre Aufgaben. Dieser Anteil ist nicht ausreichend, dass die BLM z.B. die Verbreitungskosten für das lokale Fernsehen übernehmen könnte. Deshalb haben wir derzeit die Finanzierung der Satellitenverbreitung aus den Haushaltsmitteln des Freistaats. Entbehrlich wäre diese, wenn man den Anteil der Landesmedienanstalten am Rundfunkbeitrag auf drei Prozent erhöhen würde. Wir reden hier von 20 Cent pro Haushaltsabgabe und Monat. Damit ließe sich die bestehende Finanzierungslücke des lokalen Fernsehens schließen und die Programmerstellung könnte auf eine wirtschaftlich solide Basis gestellt werden. Viele von Ihnen werden sich daran erinnern, dass die BLM bereits vor einigen Jahren einen Vorstoß unternommen hat, einen Teil der Rundfunkgebühr zur Finanzierung des Lokalfernsehens aufzuwenden. Die Rundfunkgebühr wäre dabei nach dem Schweizer Modell gesplittet worden. Der Vorschlag war damals, 40 Cent pro Gebührenzahler und Monat dem lokalen Fernsehen zukommen zu lassen. Dieser 2010 von Bayern in den Kreis der Länder eingebrachte Vorschlag wurde von der Mehrheit der Länder abgelehnt. Bei dem neuen Vorschlag bleibt dagegen die Einheitlichkeit des Rundfunkbeitrags gewahrt. Länder, die für den Gebührenanteil andere wichtige Vorhaben oder Einrichtungen, wie z.B. eine Stiftung für Lokaljournalismus fördern möchten, hätten alternativ die Möglichkeit dazu. Ein solches Finanzierungsmodell wäre aus meiner Sicht deutlich leichter für alle Länder zu akzeptieren. Für den Freistaat hätte dieses Modell den Vorteil, dass eine Finanzierung der Satellitenverbreitung aus Haushaltsmitteln entbehrlich wäre. – Sie sehen also: mit insgesamt 45 Cent aus den Mehreinnahmen des Rundfunkbeitrags könnten zwei wichtige medienpolitische Probleme gelöst und mehr Gerechtigkeit im dualen System geschaffen werden.

Lassen Sie mich an dieser Stelle, wie angekündigt, zur Zukunft des Hörfunks kommen. Wir haben in der BLM vor zwei Monaten eine zunächst interne Arbeitsgruppe zusammengestellt, die sich mit dieser Fragestellung intensiv befasst. Wir bemühen uns, dabei alle relevanten Aspekte und Rahmenbedingungen zu berücksichtigen, von den allgemeinen wirtschaftlichen und demografischen Entwicklungen, über die technischen Verbreitungsmöglichkeiten und Innovationen, die sich ändernden Nutzungsgewohnheiten, die Bedingungen für die Werbevermarktung bis hin zu den ordnungspolitischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und internationalen Entwicklungen einzubeziehen. Ziel ist es, bis zur Sommerpause tragfähige und nachhaltige Handlungsempfehlungen für den privaten Hörfunk in Bayern für die kommenden Jahre zu erarbeiten.

Zwei Aspekte möchte ich an dieser Stelle kurz herausgreifen, die mir für die zukünftige Entwicklung wichtig zu sein scheinen:

– Wir brauchen von der Politik eine klare Vorgabe zu hybriden Endgeräten: Die European Broadcast Union (EBU) hat im vergangenen Jahr die Euro-Chip Initiative ins Leben gerufen, um den Verbrauchern die Wahl des Radiogerätes zu erleichtern und in Europa eine einheitliche Vorgehensweise bei der Digitalisierung des Hörfunks zu schaffen. Der Euro-Chip ermöglicht den Empfang des herkömmlichen UKW-Signals und der digitalen Standards DAB/DAB+/DRM/DRM+. Damit wären alle gängigen, digitalen, terrestrischen Verbreitungswege berücksichtigt und die Zukunftstauglichkeit von zukünftigen Radioempfängern gewährleistet. Der Euro-Chip wäre auch für moderne Smartphones und Tablets einsatzbereit. Unterstützung aus Deutschland für diese Initiative kommt derzeit von Deutschlandradio, der Arbeitsgemeinschaft Privater Rundfunk (APR) und dem Unternehmen Regiocast. Ab 2016 sollten nur noch entsprechende Geräte in den Handel kommen.

– Technisch wird die Hörfunkversorgung im Jahr 2020 eine komplementäre Versorgung aus unterschiedlichen Versorgungssystemen sein. Wir werden noch das UKW-System haben, das mit einer DAB-Verbreitung kombiniert sein wird. Eine Abschaltung von UKW wird erst dann in Betracht kommen, wenn ausreichend hybride Empfänger im Markt sind. Und letztlich wird man die Radioversorgung auch mit der Präsenz der Radioprogramme im Internet kombiniert betrachten müssen. Die Frage DAB oder Internet wird sich also nicht stellen, sondern es wird auch für Lokalradio ein klares DAB und Internetradio sein. Welche Bedeutung Webradio derzeit hat, wird im Übrigen in der kommenden Media Analyse Radio im März erstmals ausgewiesen.

Abschließen möchte ich den Teil Hörfunk mit einem Blick auf die aktuelle Situation in Bayern. Sie wissen, worauf ich anspiele. Die zugegeben noch nicht endgültig beschlossenen Pläne des Bayerischen Rundfunks, ihr Jugendprogramm Puls in Zukunft auch über UKW auszustrahlen, bergen nicht nur aus Sicht der privaten Anbieter, vor allem der Jugendradios Galaxy und egoFM, die Gefahr, das bisher einigermaßen austarierte Gleichgewicht im dualen System aus dem Lot zu bringen. Die BLM wird in dieser Frage ihren medienpolitischen Einfluss geltend machen, die legitimen Interessen unserer Anbieter zu schützen. Die Resolution des BLM-Medienrats aus der vergangenen Woche ist ein Beleg dafür. Selbst wenn Puls über UKW werbefrei bleiben wird, ist es für die privaten Anbieter ein ernsthafter Konkurrent auf dem Hörermarkt. Und weniger Hörer bedeuten für die privaten Anbieter automatisch weniger Werbeeinnahmen. Ein Problem, das der öffentlich-rechtliche Rundfunk, wie wir alle wissen, so nicht kennt, da im Durchschnitt lediglich zwei Prozent der Finanzierung der öffentlich-rechtlichen Hörfunkprogramme aus dem Werbemarkt kommen. Wie der Reichweitenvergleich der Programme des BR gegenüber den Privaten, vor allem gegenüber Galaxy und egoFM aussieht, sehen Sie auf dem folgenden Chart. Ganz abgesehen davon, dass sich mir und vielen anderen die Strategie eines Wellentausches zwischen BR Klassik und Puls nicht erschließt. Hier liegt ein Dissens vor, den wir mit dem Bayerischen Rundfunk so lange nicht mehr hatten und über den man reden muss. Ich gehe davon aus, dass hier noch zu konkreten Gesprächen kommen wird.

Ansonsten gibt es ja zahlreiche Gemeinsamkeiten zwischen uns und dem BR, gerade was die Digitalisierung des Hörfunks betrifft. Bayern ist nach wie vor der Vorreiter für Digitalradio in Deutschland. Das drückt sich auch darin aus, dass der BR am 11. März ein ganztägiges Symposion zur Digitalisierung des Hörfunks veranstalten wird, auf dem auch hochkarätige Vertreter des privaten Rundfunks vertreten sind. Auch wenn ich nicht der Gastgeber bin, darf ich Sie alle herzlich zu dieser Veranstaltung einladen, in deren Rahmen u.a. ein Gutachten von Prof. Gunther Friedl, Lehrstuhlinhaber für Betriebswirtschaft – Controlling an der TU München, vorgestellt wird, das die BLM in Auftrag gegeben hat. Es geht dabei um einen Kostenvergleich für mobile Radioübertragung über DAB oder LTE in Bayern. Immerhin findet ja etwa 25 Prozent der Radionutzung im mobilen Bereich statt. Das Ergebnis, zu dem Prof. Friedl kommt, kann niemanden überraschen. Ökonomisch sinnvoll im mobilen Bereich ist einzig die Übertragung über DAB. Die Detailergebnisse gibt es, wie gesagt, am 11. März.

Ich komme noch einmal kurz zurück auf das lokale Fernsehen. Auch wenn die Situation wirtschaftlich gesehen nach wie vor schwierig ist, hat sich doch einiges getan, vor allem was das Lokal-TV-Portal über Smart-TV angeht. Das Lokal-TV-Portal ist inzwischen zusätzlich zur bundesweiten Satellitenverbreitung in zwölf Ballungszentren auch über DVB-T empfangbar. Zudem beteiligen sich an dem Portal neben Bayern und Baden-Württemberg mittlerweile auch die Länder Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt. Und bei immer mehr Empfangsgeräten für den Satellitenempfang ist das Lokal-TV-Portal zwischenzeitlich auf dem Programmplatz 99 voreingestellt. Dabei sind führende Smart-TV-Hersteller wie Samsung, Sony und Technisat.

Wie schnell diese Maßnahmen dem Lokalfernsehen auch ökonomisch helfen, wird sich zeigen. Allerdings ist absehbar, dass die lokalen Fernsehsender auch in Zukunft nicht in der Lage sein werden, die Verbreitungskosten über Satellit in Höhe von 8 bis 9 Mio. Euro selbst zu tragen. Zu diesen Verbreitungskosten kämen noch einmal jährlich vier bis fünf Millionen Euro, um die lokalen Angebote in HD auszustrahlen.

Im Gegensatz zur schwierigen wirtschaftlichen Situation ist nämlich der Beitrag des lokalen Fernsehens zur Grundversorgung in den einzelnen Regionen und dessen Akzeptanz bei den Zuschauern unbestritten. Dazu trägt auch ein Angebot wie Plenum.TV bei, das im Jahr 30 Beiträge von 3 bis 4 Minuten Länge aus dem Landtag produziert und in 16 verschiedenen, lokalisierten Versionen den lokalen Fernsehanbietern in Bayern zuliefert. Dazu kommt monatlich ein 15-minütiges Magazin. Damit wird bei den lokalen Sendern eine auf ihr jeweiliges Sendegebiet zugeschnittene Berichterstattung aus dem Bayerischen Landtag sichergestellt, die in dieser Form einmalig ist. Das ist Grundversorgung und „public value“ im wahrsten Sinne des Wortes, die aus Sicht der BLM und der anderen Landesmedienanstalten aus dem Rundfunkbeitrag mitfinanziert werden sollte.

Lassen Sie mich abschließend noch kurz etwas zum Medienstandort sagen. Bayern und vor allem der Großraum München nehmen im Bereich der klassischen Medien nach wie vor eine Sonderstellung im Vergleich zu anderen Standorten in Deutschland ein. Bestätigt wird das immer wieder durch aktuelle Studien, zuletzt im Rundfunkbereich durch die von mir bereits zitierte Untersuchung zur Wirtschaftlichkeit des Rundfunks in Deutschland. Allerdings erleben wir derzeit radikale Umbrüche, die nicht nur die Medienwirtschaft betreffen. Inzwischen hat die Digitalisierung alle Bereiche unserer Gesellschaft erfasst. Es geht um eine zunehmende Verschmelzung der Medienwirtschaft mit anderen Wirtschaftsbereichen. Das bedeutet auch eine fortschreitende Transformation bisheriger Wertschöpfungsstrukturen durch die Schaffung neuer Serviceangebote, crossmedialer Anwendungen und neuer Geschäftsmodelle. Treiber dieses Umbruchs sind die digitalen Technologien sowie die neuen Internet- und Mediengründer. Die dabei entstehende Dynamik liefert entscheidende Impulse auch für die traditionellen Wirtschaftsbereiche.

Bayern ist nach wie vor eine der Gründerhochburgen im Informations- und Kommunikationsumfeld in Deutschland. Wir müssen allerdings feststellen, dass Berlin im Hinblick auf die Internetwirtschaft derzeit stärker im Blick der Öffentlichkeit wahrgenommen wird und auch in Hamburg deutliche Impulse gesetzt werden. Es muss also darum gehen, die Stärken Bayerns noch konsequenter auszuspielen und zu bündeln. Wir haben in ganz Bayern Universitäten und Hochschulen mit vielfältigen und ausdifferenzierten Angeboten im Bereich Internetwirtschaft und angrenzenden Fachgebieten. Wir haben zwei Dutzend Gründerzentren für junge Unternehmen und die Entrepreneurship-Zentren an vier Münchener Universitäten und Hochschulen mit einem beachtlichen Output an innovativen Start-Ups. München ist ein Zentrum der Venture Capital Branche und wir haben seit einem Jahr das „Werk 1“ am Ostbahnhof als Zentrum für digitale Gründer. Gleichzeitig wird im Ministerium von Ilse Aigner intensiv an einem neuen digitalen Zentrum Bayern gearbeitet. Dabei wird auch die BLM eine Rolle spielen.

Aus meiner Sicht ist es sinnvoll, wenn sich die BLM in diesem Umfeld nachhaltig positioniert als eine von mehreren Unterstützungseinheiten mit dem Ziel, vor allem mittelständische Medienunternehmen und Gründerszene stärker miteinander zu vernetzen. Ich sehe die BLM hier sowohl in einer Moderatorenrolle als auch als Transferknoten an der Schnittstelle zwischen Hochschulen, Start Ups und Unternehmen. Dabei liegt unser Fokus nicht nur auf München, Nürnberg und Augsburg, wo mit den Medientagen, den Lokalrundfunktagen und den „Augsburger Mediengesprächen“ etablierte Veranstaltungen angesiedelt sind. Seit der Veranstaltung „Digitale Wirtschaft“, die wir im November 2012 organisiert haben, liegt der Fokus der BLM und ihrer Töchter verstärkt auf den digitalen Entwicklungen. Lassen Sie mich dafür einige Beispiele anführen: Im vergangenen November hat unsere Tochter BayMS in Würzburg mit Förderung des Mediennetzwerk Bayern den Mobile Media Day aus der Taufe gehoben in Kooperation mit der Universität Würzburg und der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg/Schweinfurt. Ziel dieser Veranstaltung ist es, die Chancen aufzuzeigen, die sich durch eine veränderte Mediennutzung ergeben und gleichzeitig den lokalen Medien, Studenten und Unternehmen die Möglichkeit zu geben, sich miteinander auszutauschen und zu vernetzen. – Vor drei Wochen hat ebenfalls die BayMS in Nürnberg zum vierten Mal die Local Web Conference organisiert. Bei dieser Veranstaltung liegt der Fokus auf der Entwicklung lokaler Online-Angebote, ortsbezogener Dienste auch unter dem Stichwort „Smart City“ und selbstverständlich auf neuen Geschäftsideen und Erlösmodellen im Local Web. Diese Veranstaltungen begleiten wir mit neuen Studien. So lassen wir neben einem regelmäßigen Web-TV-Monitor und Web-Radio-Monitor inzwischen auch einen Local-Based-Services-Monitor erstellen.
Weitere Beispiele für neue Veranstaltungen sind der BLM-Innovationstag, den wir Anfang April durchführen werden. Dabei werden neue Produkte und Anwendungen gezeigt und thematisiert, wie Medienunternehmen die Innovationsprozesse befördern können, so dass dadurch neue Produkte und Geschäftsmodelle entstehen. Start Ups zeigen ihre für die Medienbranche relevanten Anwendungen und knüpfen Kontakte zu den etablierten Unternehmen. – Mehr oder weniger spontane Entwicklungen vor Ort sollen am Radio-Hackday entstehen. Dabei werden die Teilnehmer und Teilnehmerinnen zwei Tage lang an Ideen zur Zukunft des Hörfunks arbeiten. Programmierer, Designer, Konzepter und Radio-Macher schließen sich dabei zusammen. Am Ende sollen fertige und einsatzbereite Produkt stehen. Die besten Umsetzungen werden von einer Jury prämiert. Im vergangenen Jahr haben wir bereits einen TV-Hackday veranstaltet mit wirklich beeindruckenden Ergebnissen.
Wie im vergangenen Jahr der TV-Hackday steht in diesem Jahr der Radio-Hackday in unmittelbarem Zusammenhang zum Social TV Summit, den die BLM in diesem Jahr zum dritten Mal durchführen wird. Social TV, also die Verbindung von Social Media und Fernsehen ist einer der wichtigsten Trends der letzten Jahre im Fernsehen und der Summit die bedeutendste Veranstaltung zu diesem Themenbereich in Deutschland. - Schließlich werden wir im Mai in Regensburg zum zweiten Mal das Ostbayern Forum veranstalten, das sich mit der Frage beschäftigen wird, welche neuen Trends es in der lokalen Werbung gibt und wie die lokalen Medien diese Trends für ihre Wertschöpfung nutzen können. - Was den afk in München angeht, der mittlerweile unter dem Dach von „Media Works“ in der Rosenheimer Straße sitzt, können wir uns vorstellen, dass er in Zukunft zu einem Art Labor für Trimedialität wird.

Sie sehen also, ein Anfang ist gemacht, aber wir wollen es nicht bei diesem Anfang belassen. Ich bin überzeugt, die BLM kann in Zukunft noch mehr als bisher für den Medienstandort Bayern leisten.