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Begrüßung von BLM-Präsident Siegfried Schneider zum Medieninnovationstag in der BLM am 4. April 2014

04.04.2014 | P&R

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich darf Sie sehr herzlich zum Medieninnovationstag der BLM begrüßen. Es freut mich, dass Sie der Einladung so zahlreich gefolgt sind. Das unterstreicht, welche Bedeutung Innovationen heute haben und das ganz besonders im Medienbereich. Die gesamte Medienbranche befindet sich in einem Strukturwandel und alle Medienunternehmen sind gefordert, ihre Angebote, Produktions- und Distributionsketten an die neue digitale Welt mit neuen Gesetzen anzupassen, weil nur so das Überleben gesichert werden kann. Ich verweise nur auf die Musikindustrie oder Teile der Zeitungslandschaft. Die Radiobranche traf sich letzte Woche in Dublin und diskutierte die sog. „Iceberg-Challenge“: Es ist ein Bild dafür, dass sich etwas langsam auf die Branche zubewegt, aber man kann noch nicht sehen, wie groß das Problem wirklich ist. Wir hoffen jedenfalls, dass das nicht wie bei der Titanic endet.

Der Begriff „Innovation“ ist fast schon zu einem Mantra geworden, zu einem Beschwörungsbegriff, der Zukunftsfähigkeit gegen die Angst vor dem Untergang verspricht. Aber was ist Innovation, wie kann man sie fördern und wie gehen die Unternehmen damit um? Nach der mir plausibelsten Definition ist Innovation dann gegeben, wenn eine Erfindung zu einer Lösung wird, die sich als nützlich erweist und besser als jede bis dahin bestehende Alternative bewertet wird und zudem noch auf breite Akzeptanz stößt. Starke Innovationen zeichnen sich also immer durch den starken Nutzen aus. Der Nutzen muss so groß sein, dass sich ein Wechsel auf die neue Anwendung lohnt. Ob Erfindungen zu Innovationen werden, zeigt sich also erst im Nachhinein, wenn tatsächlich eine Änderung erfolgt ist.

Die Einsicht, dass Innovationen notwendig sind, um in der Medienwelt von Morgen zu bestehen, führt jedoch nicht gleich dazu, dass die Erfindungen so einfach gemacht werden. Weltweit hat ein Wettbewerb um die guten Ideen und kreativen Menschen eingesetzt. Es wird analysiert, was die Bedingungen und Erfolgsfaktoren der Innovations-Ökosysteme wie dem Silicon Valley sind. Initiiert von einzelnen Städten, Ländern aber auch Staaten entstehen rund um den Erdball neue Innovationscluster: New York, Chicago, Moskau, Paris, London, Irland oder Chile sind Beispiele für erfolgreiche Startup-Projekte der zweiten Generation. Die Maßnahmen zielen darauf ab, ein günstiges Klima für Innovationen zu schaffen. Dieses Innovationsklima wird von sehr vielen Faktoren, auf jeden Fall jedoch durch ein starkes Beziehungsgeflecht unterschiedlicher Partner wie Universitäten, Startups, Unternehmen, Mentoren und Kapitalgebern begünstigt. Zusammenarbeit, gemeinsame Projektierung, gemeinsame Prototypisierung - überhaupt der Austausch scheint maßgeblich für das Entstehen einer lebendigen Innovationsszene. Es ist daher auch sehr zu begrüßen, dass Ministerpräsident Seehofer die Gründung eines Zentrums für Internet und Digitale Medien angekündigt hat. Die BLM ist in die bisherigen Überlegungen einbezogen und wird auch an der weiteren Konzeption mitarbeiten.

Bayern hat den großen Standortvorteil, dass hier sehr viele Medienunternehmen angesiedelt sind. Mit 100 privaten TV-Kanälen werden mehr als ein Drittel aller deutschen Fernsehangebote in Bayern produziert; im Hörfunk ist ebenfalls Bayern das Land mit den meisten produzierten Programmen. Ob bundesweites Fernsehen oder lokales Radio – die Rundfunkunternehmen haben einen sehr starken Bedarf an innovativen Produkten und Dienstleistungen, um ihre Programme und Services optimiert für eine sich permanent neu erfindende Medienlandschaft anbieten zu können.

Die Medienunternehmen stehen vor der Herausforderung, eigene Innovationen hervorzubringen oder sich mit Innovationen von außen auseinanderzusetzen. Man muss nicht alles selbst erfinden. Innovationen alleine sichern auch nicht die Zukunft eines Unternehmens. Oft ist es einfach notwendig, offen und intelligent mit den Veränderungen und Innovationen umzugehen, die von außen auf die Unternehmen zukommen. Ich denke, entscheidend ist hier die Offenheit und der Mut zur Kooperation. Es ist notwendig, sich die Innovationen anzuschauen, die kleine Startups oder erfahrene Dienstleistungsunternehmen entwickeln, um die richtigen Lösungen in das eigene Unternehmen zu integrieren.

Der Medieninnovationstag versucht diese beiden Aspekte von Innovation – also einerseits in den Unternehmen und andererseits mögliche Kooperation mit innovativen Unternehmen – aufzunehmen. So werden wir uns nach der Keynote vor allem damit beschäftigen, wie die Innovationsprozesse in Medienunternehmen verlaufen können, um danach in verschiedenen Bereichen aufzuzeigen, welche neuen Entwicklungen für eine Kooperation mit den etablierten Medienunternehmen interessant sein können.