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Grußwort von BLM-Präsident Siegfried Schneider zur Veranstaltung „Neue Chancen für den lokalen Rundfunk: Crossmediale Strukturen und Angebote“ am 5. Dezember 2014

05.12.2014 | P&R

Sehr geehrte Frau Prof. Kretzschmar,
sehr geehrte Podiumsgäste,
meine sehr geehrten Damen und Herren,
 
ich freue mich, Sie hier in der BLM begrüßen zu dürfen zu unserer Veranstaltung „Neue Chancen für den lokalen Rundfunk“, in deren Mittelpunkt die Präsentation der Studie „Crossmediale Produktions- und Angebotsstrukturen im lokalen Rundfunk in Bayern“ steht, die von der BLM unterstützt wurde. Frau Prof. Kretzschmar, die die Studie durch­geführt hat, wird uns auch die wichtigsten Ergebnisse vorstellen. Daran schließt sich eine Podiumsdiskussion an mit Sendervertretern, die in ihren Stationen schon heute viel Wert legen auf crossmediales Arbeiten und eine intensive Einbeziehung von Social Media-Kanälen.
 
Etwa vor drei Wochen hat der Verband Bayerischer Lokalrundfunk (VBL) sein 30-jähriges Jubiläum gefeiert und konnte dabei zu Recht auf eine Erfolgsgeschichte verweisen: Die bayerischen Lokalradios erreichen nach der aktuellen Funkanalyse Bayern täglich fast 30 Prozent der Bevölkerung in Bayern ab zehn Jahren, das sind annähernd 3,3 Mio. Menschen. Gegenüber diesen Zahlen hinkt das lokale Fernsehen etwas zurück, aber immerhin kommen die 16 lokalen Fernsehsender auch auf täglich knapp 840. Tsd. Zuschauer ab 14 Jahren und ihr weitester Seherkreis liegt deutlich über 3 Millionen Zuschauer.
 
Fast gleichzeitig zum Jubiläum des VBL hat die BLM die aktuellen Ergebnisse einer Untersuchung zur wirtschaftlichen Lage der lokalen und regionalen Hörfunk- und Fernsehsender in Bayern veröffentlicht. Zumindest im Hörfunk finden die guten Reich­weitenzahlen ihre Entsprechung in den ökonomischen Daten. So konnten die lokalen Hörfunkanbieter ihren Gesamtumsatz von 90 Mio. Euro im Jahr 2012 auf 95 Mio. Euro im Jahr 2013 steigern. Damit erreichen sie einen Kostendeckungsgrad von 115 Prozent. Beim lokalen Fernsehen ist die Situation deutlich schwieriger. Hier liegt der Kosten­deckungsgrad bei 97 Prozent, wenn auch mit steigender Tendenz. Für 2014 rechnen sowohl die lokalen Hörfunk- als auch die lokalen Fernsehanbieter mit einer weiteren Verbesserung bei den Umsätzen.
 
Alles in Ordnung also im lokalen Rundfunk in Bayern?
 
Ganz so einfach und problemlos ist die Situation leider nicht. Die genannten ökono­mischen Daten sind Durchschnittwerte, die nichts darüber aussagen, in welcher Situation sich einzelne Stationen befinden. Vereinfacht kann man für den lokalen Hörfunk sagen, dass es den Sendern an Mehrfrequenzstandorten in wirtschaftsstarken Ballungsräumen deutlich besser geht als Stationen an Einfrequenzstandorten auf dem flachen Land. Noch wesentlich schwieriger ist die Situation beim lokalen Fernsehen.
Wenn man daneben Entwicklungen einbezieht, die bereits heute, aber noch stärker in naher Zukunft zum Tragen kommen, wird deutlich, dass die lokalen Stationen handeln müssen. Der lokale Rundfunk gerät zusehends von mehreren Seiten unter Druck: Er muss sich sowohl in den Bereichen der Information, Service und Musik gegen neue Konkurrenten behaupten, als auch auf dem Werbemarkt. Dazu kommt, dass sich das Nutzungsverhalten vor allem der jungen Zielgruppen bereits deutlich geändert hat.
 
Lokale und regionale Nachrichten haben für die Menschen eine große Bedeutung. Dies wird auch durch die aktuellen Ergebnisse der Funkanalyse bestätigt. Sie belegen allerdings auch, dass gerade bei den Jugendlichen und jungen Erwachsenen das Internet die Nase vorn hat: Für fast 60 Pro­zent der bayerischen Bevölkerung ist das Internet als Informationsquelle über das lokale Geschehen in der Umgebung sehr wichtig oder wichtig. Bei den 14- bis 20-Jährigen liegt der Wert für das Internet wie erwartet deutlich höher, nämlich bei 81 Prozent. Das Ergebnis zeigt, dass bei den lokalen Hörfunk- und Fernsehstationen in Bezug auf das Internet Handlungsbedarf besteht.  
 
Die Zeiten, in denen in den Redaktionen lokaler Rundfunkstationen Inhalte ausschließlich monomedial für Radio oder Fernsehen produziert wurden, gehören der Vergangenheit an. Die wachsende Bedeutung des Internets für die eigenen Zielgruppen bedeutet auch, dass das Onlineangebot der Sender über das bloße Zur-Verfügung-Stellen der linearen Programminhalte hinausgehen muss. Die Umstellung auf crossmediale Produktion mit eigenen Web-Aktionen, Hintergrundberichterstattung und visuellem Zusatzcontent stellt die Redaktionen vor neue Herausforderungen. Möglichst viele Inhalte des linearen Programms sollten auch, angepasst auf die unterschiedlichen Ausspielkanäle, plattform­übergreifend funktionieren. Und die Inhalte sollten so interessant, spannend oder unter­haltsam sein, dass die Nutzer sie mit anderen teilen wollen.
 
Die lokalen und regionalen Medienunternehmen müssen sich diesem Wandlungsprozess öffnen. Sie müssen den Freiraum schaffen für neue digital-journalistische Formen und den Dialog mit dem Publikum. Sie müssen auch die digitale Infrastruktur aufbauen, um auf lokaler Ebene zu experimentieren und lokal­spezifische Angebote zu entwickeln. Dabei werden in der momentanen Umbruchsituation zwangsläufig auch Fehler passieren. Scheitern wird aber letztlich nicht der, der Fehler macht und diese dann korrigiert, sondern der, der sich aus Angst vor dem Fehlermachen nicht verändert.
 
Die Landeszentrale leistet mit ihrem neuen Angebot „INNOVATE:MEDIA“ Hilfestellung bei der Suche nach neuen Wegen und Lösungen. In insgesamt fünf Teilprojekten sprechen wir unterschiedliche Zielgruppen der Medienbranche an. Mit den media.projects sollen z.B. lokale Radio- und Fernsehstationen mit interdisziplinären Teams aus bayerischen Hochschulen zusammen gebracht werden, um neue innovative Inhalte für lokale Hörfunk- und Fernsehanbieter zu entwickeln. Mit INNOVATE:MEDIA möchten wir den Medienanbietern Impulse geben und zeigen, wie der Schritt in die digitale Zukunft gelingen kann. Ich möchte die lokalen Medienhäuser dazu ermuntern, sich an dem Projekt zu beteiligen, denn im Wettbewerb um den Hörer, Zuschauer und Nutzer besteht nur, wer den digitalen Wandel selbst mitgestaltet.
 
Soweit meine kurze Vorrede. Jetzt sind wir sehr gespannt auf die Ergebnisse der Studie und auf die anschließende Podiumsdiskussion, die Frau Seibel-Müller moderieren wird.
Jetzt darf ich das Mikrofon an Frau Prof. Kretzschmar übergeben.