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Grußwort von BLM-Präsident Siegfried Schneider auf dem Medienforum Ostbayern am 19. Mai in Landshut

19.05.2015 | P&R / 2015

- Es gilt das gesprochene Wort! -
 
Sehr geehrter Herr Rampf,
sehr geehrter Herr Keilbart,
meine sehr geehrten Damen und Herren,
 
herzlich willkommen zum dritten Medienforum Ostbayern, das in diesem Jahr erstmals in Landshut stattfindet. Ich möchte mich gleich zu Beginn dieser Veranstaltung für die Unterstützung bedanken, die wir bei der Organisation erfahren haben durch die IHK Niederbayern, das Funkhaus Landshut, isarTV, die Idowa-Gruppe und die Interessen­gemeinschaft Landshuter Innenstadt. Herzlichen Dank dafür, Sie haben unserem Organisationsteam die Arbeit sehr erleichtert.
 
Der Online-Handel ist aus der heutigen Zeit nicht mehr wegzudenken. Er beeinflusst die Einzelhandelsstandorte schon heute messbar. Die Umsätze im stationären Handel gehen zurück. Der Einzelhandelsverband rechnet damit, dass in den kommenden fünf Jahren bis zu 50.000 Läden vom Markt verschwinden werden, das sind etwa zehn Prozent aller stationären Geschäfte, die es derzeit in Deutschland gibt. Das hat vor allem in struktur­schwachen Regionen negative Auswirkungen auf Arbeitsplätze und auf die Kommunen. Man geht derzeit von ca. drei Millionen Arbeitsplätzen im stationären Handel in Deutschland aus.
 
Der Online-Handel in Deutschland erzielt mittlerweile Umsätze in Größenordnungen, die Konsequenzen für die gesamte Handelslandschaft haben und auch die Geschwindigkeit des online induzierten Wandels nimmt zu. Bezogen auf den gesamten Einzelhandels­umsatz lag der Umsatzanteil des stationären Einzelhandels mit eigenen Ladenlokalen im Jahr 2013 bei gut 90 Prozent, während es im Jahr 2008 noch knapp 94 Prozent waren.
 
In der Trendfortschreibung bis 2020 soll der stationäre Handel laut dem IFH, Institut für Handelsforschung, nur noch geschätzte 78 Prozent der Umsätze des Einzelhandels generieren können. Da der Onlinehandel wächst, der Gesamtmarkt aber stagniert, befindet sich der gesamte Einzelhandel aktuell in einem Verdrängungswettbewerb. Nach Befragungsergebnissen des Kölner Instituts für Handelsforschung geben 38 % der Verbraucher an, durch zunehmende Online-Käufe weniger in die Innenstädte zu fahren. Und 27 % der Verbraucher fahren deshalb weniger in die Randgebiete. Das wirkt sich auch auf die Zahl der Verkaufsstellen aus. Andererseits hat sich seit 2004 der Umsatz von E-Commerce in Deutschland von 13 auf mehr als 40 Mrd. Euro verdreifacht. Nach Meinung von Experten könnte sich diese Summe bis 2025 verdoppeln bis verdreifachen. Und es wird immer mehr über mobile Geräte – also Smartphone und Tablet – bestellt. Im vergangenen Jahr wurden fast 40 Prozent der Online-Einkäufe auf mobilen Websites bestellt. Allerdings wird für den Onlinehandel ein extremer Konzentrationsprozess prognostiziert. Im Augenblick gibt es in Deutschland 40.000 Onlinehändler. Nach der Prognose von Experten werden bis zu 90 Prozent davon im Jahr 2020 nicht mehr existieren.
 
Die Entwicklung im Handel erinnert stark an das, was derzeit im Fernsehen passiert, oder sagen wir besser im Bewegtbildmarkt. Wir hatten gerade vor einer Woche eine Veran­staltung in München zum Thema „Das neue Fernsehen“. Das klassische Fernsehen hat in den letzten Jahren zunehmend Konkurrenz aus dem Internet bekommen. Kostenfreie und entgeltpflichtige Bewegtbildangebote in Mediatheken, Onlinevideotheken und Video­plattformen konkurrieren neben dem klassischen Fernsehen um die Aufmerk­samkeit des Publikums. Das Nutzungsverhalten ändert sich vor allem bei den jungen Zielgruppen. Wenn es möglich ist, alle Sendungen, Filme, Serien usw. unabhängig von festen Sendezeiten jederzeit und an jedem Ort über ein mobiles Gerät zu sehen, warum sollte sich noch irgendwer klassisches Fernsehen antun, bei dem Nutzer all das fest vorgegeben wird? – Warum sollte sich noch jemand an Ladenöffnungszeiten halten, wenn er online rund um die Uhr kaufen kann? - Laut einer aktuellen Studie nutzen schon 35 Prozent der Deutschen Video on Demand-Angebote und etwa 50 Prozent zumindest einmal wöchent­lich YouTube. Das erinnert durchaus an Zahlen für die Nutzung von E-Commerce-Angeboten. Auch hier sind es derzeit etwa 50 Prozent der Bevölkerung, die bereits online einkaufen. Und in beiden Fällen sind es vor allem die jungen Leute.
 
Wie reagieren die klassischen Fernsehsender auf die Herausforderungen aus dem Internet? Sie gehen selbst ins Internet und machen dem Publikum damit Angebote, die deutlich über das lineare Fernsehen hinausgehen: Sie gründen Mediatheken und lösen damit das Problem der Zeitabhängigkeit. Sie kreieren Kanäle auf YouTube und offerieren darin neue, meist jugendaffine Inhalte, die in ihrem linearen Programm kaum oder gar nicht vorkommen. Und sie bieten Social TV an: So wie aus linearen TV-Programmen non-lineare Bewegtbildangebote werden, so wird aus passivem Medienkonsum aktives Kommunizieren. Social TV und Social Communitys wirken zunehmend als Katalysator, Beschleuniger und Verstärker für klassische TV-Angebote. Sie generieren Aufmerk­samkeit, werden zum Feedback-Kanal und erhöhen die Bindung des Publikums.
 
Im Prinzip sind das sehr ähnliche Strategien, wie sie der stationäre Handel anwendet: Z.B. mit Shopping Apps, Social Media, Datenanalysen oder elektronischen Preisschildern. Nachdem viele der stationären Händler den zunehmenden Wechsel ins Netz bisher zwar regelmäßig bedauerten, aber wenig getan haben, um ihn zu stoppen, werden mittlerweile viele Händler aktiv: Der stationäre Handel sucht vor allem Zugang zum wichtigsten Begleiter der Kunden – dem Smartphone. Das Ziel dabei ist: die Handys sollen zur Bonus- und Kreditkarte, zum Werbekanal und vor allem zum Datenlieferanten werden. Ich will das an dieser Stelle nicht weiter ausführen. Dafür haben wir schließlich Sebastian Zwez, Director New Business bei Serviceplan eingeladen.
 
Was die Politik im Verhältnis zwischen Online-Handel und stationärem Handel klarstellen muss, ist, dass für beide gleiche Wettbewerbsbedingungen herrschen. Auch hier haben wir eine deutliche Parallele zum Medienmarkt. Es kann nicht sein, dass Online-Anbieter rechtlich besser gestellt sind als der stationäre Handel. Es ist z.B. schwer nachzuvoll­ziehen, dass ein Konzern wie Amazon, der in Deutschland Milliarden Umsätze erzielt, hierzulande keine Gewinn- und Gewerbesteuer zahlt.
 
In ihrer Regierungserklärung vom 7. Mai hat Staatsministerin Ilse Aigner bekannt­gegeben, dass die Staatsregierung für den mittelständischen Einzelhandel noch in diesem Jahr das Modellprojekt „Digitale Einkaufsstadt Bayern“ starten wird. In ausgewählten Städten soll der Einzelhandel an die Erfordernisse des E-Commerce-Zeitalters heran­geführt werden. Die Ausschreibung für Städte die sich für das Modellprojekt bewerben wollen, läuft noch bis 31. Juli. Landshut kommt dafür allerdings leider nicht in Frage, da sich nur Städte bis zu 50.000 Einwohnern beteiligen können.
 
Was haben die lokalen Medien mit der Situation des Einzelhandels und E-Commerce zu tun, meine Damen und Herren? Die lokalen Medien leben von Werbeeinnahmen und sie leben vor allem von lokalen Werbeeinnah­men. Beim lokalen Hörfunk sind das derzeit knapp 60 Prozent der Gesamteinnahmen. Wenn der stationäre Einzelhandel Probleme bekommt, dann hat das also auch direkt Auswirkungen auf die lokalen Medien. Im Medienforum Ostbayern geht es also einerseits darum die aktuelle Situation des Einzelhandels zu beleuchten und anderseits darum, zu überlegen, wie in dieser Situation zukunftsweisende Zusammenarbeitsmodelle zwischen Einzelhandel und lokalen Medien aussehen können. Hier sind gute Ideen ausdrücklich gefragt. Mein Plädoyer ist also, dass wir diesen Gesamtzusammenhang in den kommen­den zweieinhalb Stunden nicht aus den Augen verlieren.
 
Ich wünsche uns allen eine kurzweilige, spannende Veranstaltung!