Cookie Hinweis

Archiv / Suche:

Zurück zur vorherigen Seite

Grußwort zu den MEDIENTAGEN MÜNCHEN 2015 von Siegfried Schneider

21.10.2015 | P&R / 2015


ES GILT DAS GESPROCHENE WORT!
 
 
Sehr geehrter Frau Staatsministerin,
sehr geehrte Frau Prof. Dr. Meckel,
sehr geehrter Herr Gottschalk,
meine sehr geehrten Damen und Herren,
 
ich darf Sie alle sehr herzlich zur Eröffnung der 29. MEDIENTAGE MÜNCHEN im Internationalen Congress Center der Messe München begrüßen. Mein besonderer Gruß und Dank gilt an dieser Stelle Frau Staatsministerin Ilse Aigner, die heute in ihrer Funktion als Stellvertretende Ministerpräsidentin Ministerpräsident Horst Seehofer vertritt.
 
Das Thema der diesjährigen Medientage ist „Digitale Disruption-Medienzukunft erfolg­reich gestalten“. Damit beschreiben wir sehr treffend die gegenwärtige Entwicklung auch über den Mediensektor hinaus. Es geht um radikale Veränderungen im Hinblick auf Technologien, Produkte und Dienstleistungen, durch die die Spielregeln in den Märkten verändert werden. Häufig beginnen disruptive Innovationen mit Nischenprodukten, durch die ein Prozess in Gang gesetzt wird, an dessen Ende möglicherweise die Regeln einer Branche neu definiert werden. Es liegt auf der Hand, dass die Digitalisierung und das Internet der ideale Nährboden für solche Entwicklungen sind. Und es ist auch nicht überraschend, dass es in der Regel Start-Ups sind, die mit hoher Risikobereitschaft, basierend auf neuen innovativen Technologien und Geschäftsmodellen neue Produkte oder Dienstleistungen entwickeln. Durch die rasant fortschreitende Vernetzung wird diese Entwicklung in den kommenden Jahren noch zunehmen.
Wie sollen die großen, etablierten Unternehmen, denen man oft nachsagt, dass sie sich äußerst schwertun mit disruptiven Innovationen, darauf reagieren? Es ist ja bei weitem nicht so, dass sie tatsächlich Gefahr laufen, von der internationalen Entwicklung völlig abgehängt zu werden. Häufig trifft das Gegenteil zu: So läuft das Geschäft mit dem linearen Fernsehen weiterhin sehr gut. IP Network hat in seiner Ende September vorgestellten Studie zur Fernsehnutzung festgestellt, dass die Fernsehnutzung in Europa mit täglich fast vier Stunden einen neuen Spitzenwert erreicht hat. In Deutschland ist die lineare Fernsehnutzung weitgehend stabil, was steigt ist die non-lineare Nutzung. Und auch die Print-Unternehmen haben keinen Grund in Panik zu verfallen. Die traditionellen Medienunternehmen erreichen nach wie vor ihr Publikum, zum Teil besser denn je. Das Problem, das sie haben, ist, sie erreichen vor allem ein Publikum jenseits der 40.
 
Es wird also darauf ankommen, dass der Spagat gelingt, die alten Zielgruppen zu halten und die jungen Zielgruppen zu gewinnen. Mit Letzterem tun sich die reinen Internet­unternehmen, die aus dem Digitalen kommen und nur das Digitale kennen, erst einmal leichter. Für die etablierten Medienhäuser geht es also um eine Strategie, die die Transformation der Unternehmen selber und die Transformation der Inhalte umfasst. Dabei werden die Impulse nicht nur aus den Unternehmen selber kommen können. Ich habe keinen Zweifel, dass diese Transformation gelingen kann, denn die klassischen Medienunternehmen haben gelernt, dass sie sich mit neuen Produkten und Geschäfts­modellen den Veränderungen stellen müssen.
 
Und es gibt einen unschätzbaren Vorteil, den die traditionellen Medienunternehmen auf ihrer Seite haben: Sie haben die Inhalte. Sie wissen, wie man sie produziert. Und Inhalte sind gefragter denn je. Das ist eine gute Ausgangslage. Und warum sollten Geschäfts­modelle im Digitalen nicht gelingen, in einer Zeit, in der die Medien mit ihren Produkten ein größeres Publikum erreichen als jemals zuvor?
 
Ich bin überzeugt, dass zu diesem Gelingen auch die Medienpolitik ihren Teil beitragen muss und beitragen wird. Um hier ihren Beitrag zu leisten, haben die MEDIENTAGE einen Programmschwerpunkt auf das Themenfeld Medienpolitik gelegt. Es muss uns gemeinsam gelingen, durch eine intelligente Regulierung einen weitgehenden Ausgleich zwischen gesellschaftspolitischen und wirtschaftlichen Interessen zu schaffen und damit sowohl eine gelingende öffentliche Kommunikation sicherzustellen, als auch neue digitale Geschäftsmodelle zu ermöglichen.
 
Den Auftakt zu den Themenfeldern Medien- und Wirtschaftspolitik macht die bayerische Staatsministerin Ilse Aigner, die beide Felder in ihrem Ressort vereint, mit der Eröffnungsrede der MEDIENTAGE. Um 13:15 Uhr wird dann Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel eine Keynote zum Thema „Wirtschaftspolitik und digitaler Wettbewerb“ halten und sich dabei voraussichtlich auch zum hochbrisanten Thema Rabattpolitik der Medienagenturen äußern. Um das Thema Regulierung geht es auch im Infrastrukturgipfel heute Nachmittag. Die bisherige Bilanz der Bund-Länder-Kommission zur Medien­konvergenz, die sich seit März dieses Jahres um die Grundlagen einer konvergenten Medienregulierung müht, wird in einem spannenden Panel vorgestellt und diskutiert. Dabei steht immer die Frage im Raum, was kann und muss man im nationalen Rahmen regulieren und was durch europäisches Recht. Die Europäische Perspektive steht am neu konzipierten Europatag am Freitag im Mittelpunkt, der mit einer Keynote von Günther Oettinger, dem EU-Kommissar für Digitale Wirtschaft und Gesellschaft, eröffnet wird. Themen des Europatags sind vor allem das Urheberrecht, der Datenschutz, die Netz­neutralität und die Novellierung der Richtlinie für audiovisuelle Mediendienste.
Die Entscheidung des EuGH vom 6. Oktober, mit der neue Weichen für den Datenschutz gestellt wurden, wird dabei ebenso eine große Rolle spielen, wie beim wichtigen Themenfeld Big Data, das in einigen Panels im Mittelpunkt stehen wird.
 
Neu auf den MEDIENTAGEN ist auch, dass es im Rahmen der kongressbegleitenden Messe erstmals Thementage geben wird. Der Mittwoch steht dabei im Zeichen des Arbeitsmarkts Medienbranche. Es gibt Vorträge zu den Jobperspektiven in der Branche und eine Recruiting Area, in der sich Unternehmen präsentieren. Gemeinsam mit etablierten Frauennetzwerken veranstalten die MEDIENTAGE am Donnerstag den Aktionstag „MEDIA WOMEN CONNECT“: Hier finden Workshops, Talkrunden und Coachings rund um das Thema Chancengleichheit in den Medien statt. Bei den Podien-Besetzungen haben die MEDIENTAGE in diesem Jahr einen Frauenanteil von 22 Prozent erreicht – das sind zwar noch nicht die geplanten 25 Prozent, aber doch eine signifikante Steigerung zum vergangenen Jahr und wir werden weiter daran arbeiten. Am Freitag schließlich widmen sich die MEDIENTAGE gemeinsam mit Unterstützern der Münchner Gründerszene den Startups in der Medienbranche, womit wir wieder beim Thema „disruptive Innovationen“ wären.
 
Meine sehr geehrten Damen und Herren,
 
Sie sehen, die MEDIENTAGE haben wieder neue Elemente in ihr Programm eingebaut und dabei das bewährte Neue aus dem vergangenen Jahr beibehalten. Dazu gehört auch die Eröffnungsveranstaltung mit den Keynotes und dem Fernsehgipfel. Wir sind gespannt auf die Ausführungen von Frau Prof. Meckel, die nach drei Jahren in neuer Rolle wieder bei den MEDIENTAGEN vertreten ist – herzlich willkommen – und auf Roy Prize, Vice President Amazon Studios, der mit seiner Keynote den Fernsehgipfel einleiten wird. Auch Ihnen ein herzliches Willkommen. Ebenfalls seine Premiere auf den MEDIENTAGE feiert Thomas Gottschalk. Wer würde sich besser dafür eignen, den Fernsehgipfel zu moderieren als er, der, wie kaum ein anderer, Fernsehgeschichte geschrieben hat? Wir freuen uns, dass Sie hier sind.

 
Meine sehr geehrten Damen und Herren,
 
ich wünsche uns allen in den kommenden drei Tagen spannende aufschlussreiche und gewinnbringende Diskussionen, anregende Gespräche und nicht zuletzt beste Unter­haltung.
 
Noch einmal herzlich willkommen auf den MEDIENTAGEN MÜNCHEN 2015!
 

 

  • Siegfried Schneider ist Vorsitzender der Gesellschafterversammlung der Medientage München GmbH und Präsident der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM)