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Grußwort von BLM-Präsident Siegfried Schneider zur Eröffnung der Lokalrundfunktage am 5. Juli 2016

05.07.2016 | P&R / 2016

Meine sehr geehrten Damen und Herren,
 
herzlich willkommen zu den 24. Lokalrundfunktagen in der Messe Nürnberg. Im Gegensatz zum vergangenen Jahr haben die Lokalrundfunktage in diesem Jahr kein spezielles Motto. Das ist auch nicht nötig, denn die Richtung, in die es geht, gibt uns die digitale Transformation eindeutig vor: es geht um Innovationen.
 
Sie sind die notwendige Antwort, um den gegenwärtigen Umwälzungsprozess bewältigen zu können, in dem sich die Medienwelt befindet. Wir haben insgesamt 20 Workshops, von denen sich viele mit innovativen Themen beschäftigen, z.B. „Innovate: Radio“ und „Zukunftsperspektive Lokalfernsehen“, beides gleich im Anschluss an die Eröffnungs­veranstaltung nach der Mittagspause; heute am späten Nachmittag über “Trimediale Newsdesks“ als Zukunft der lokalen Berichterstattung oder morgen über die mögliche Bedeutung von Snapchat, derzeit in aller Munde, für den lokalen Rundfunk. Was Snapchat angeht, werden wir morgen Mittag über Skype Mark Kaye zuschalten, dessen Snapchat Channel zu den bekanntesten weltweit zählt. Live vor Ort im Raum Seoul können wir am Mittwoch zur gleichen Zeit den Skiweltmeister und zweifachen Olympiasieger Markus Wasmeier in dem Workshop „Testimonials und ihre Wirkung in Programm und Verkauf“ begrüßen. Zudem gibt es wieder eine Startup-Area mit dem programmatischen Namen „new and upcoming“. Neu ist dabei, dass die Startups in der Mittagspause nach der Eröffnung auf der Bühne im Ausstellungsbereich in kurzen Pitches ihre Produkte vorstellen.
 
Es war immer ein Merkmal der Lokalrundfunktage, dass wir offen sind für die Erfah­rungen anderer lokaler Medienmärkte. Deshalb haben wir auch in diesem Jahr wieder sechs Referentinnen und Referenten aus Österreich, der Schweiz, Belgien und Großbritannien eingeladen. Generell allen Referenten an dieser Stelle ein herzliches Willkommen. Ergänzt werden die Workshops durch sechs Präsentationen von Ausstellern. Auch Sie darf ich herzlich begrüßen. Mein besonderer Dank und Gruß gilt schließlich den Partnern und Sponsoren der Lokalrundfunktage, die diese Veranstaltung erst möglich machen.
 
Die BLM hat sich in den zurückliegenden Monaten intensiv mit der Zukunft des lokalen Rundfunks beschäftigt. Ich spreche von den beiden Konzepten „Hörfunk 2020“ und „Lokalfernsehen 3.0“. Das Hörfunkkonzept hat der Medienrat Anfang Mai verabschiedet, das Fernsehkonzept ist derzeit in den Gremien. Um den lokalen Hörfunk, der gut dasteht, wie uns die Ergebnisse der FAB gleich zeigen werden, noch zukunftsfähiger zu machen, hat uns der Medienrat beauftragt, im Laufe der kommenden Monate eine Reihe von Maßnahmen umzusetzen. Ich will die Wichtigsten an dieser Stelle kurz nennen:
Die BLR soll sich auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren und in Zukunft primär zwei Nachrichtenformate und Wortbeiträge zuliefern. Musik-Playlists für kleine Stationen und Musikresearch sollen ihr Portfolio abrunden. – Wir wollen, dass die Zusammenarbeit zwischen lokalen Anbietern in den Regionen intensiver wird, dass es hier vermehrt zu einem Austausch von Wort- und Musikformaten kommt, ohne dass die Sender ihre lokale Identität aufs Spiel setzen. Dieser Ansatz wird auch durch die kommende Novellierung des Bayerischen Mediengesetzes unterstützt, der den Sendern hier mehr Möglichkeiten einräumt. – Es gab im Zusammenhang mit „Hörfunk 2020“ auch Forderungen, egoFM und Galaxy zusammenzulegen. Wir sind aber überzeugt, dass die getrennte Weiterentwicklung beider Programme die beste Strategie ist, um erfolgreich gegen das BR-Jugendangebot Puls und andere öffentlich-rechtliche Angebote anzutreten. – Ein weiterer zentraler Punkt ist die Zusammenarbeit zwischen Antenne Bayern und den lokalen Anbietern. Dabei geht es v.a. um die Vermarktungskooperation zwischen Antenne Bayern/ BLW und BLR. Hier wurde bereits eine Einigung erzielt.
 
Es gibt eine Reihe weiterer flankierender Maßnahmen, die sowohl die BLM als auch die Anbieter fordern. Es geht um die Optimierung lokaler Programminhalte. Dabei ist ein Aspekt verpflichtende Aus- und Fortbildungsstandards in den lokalen Stationen. Aus unserer Sicht müssen vor allem die digitalen Ausbildungsschwerpunkte ausgebaut werden sowie der Bereich Vermarktung/Verkauf. Ich werde darauf an späterer Stelle nochmal eingehen.
 
Viele von Ihnen werden auch die Diskussionen der zurückliegenden Wochen anhand der Artikelserie in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung verfolgt haben. Natürlich haben wir uns auch im Rahmen von „Hörfunk 2020“ Gedanken zu DAB+ gemacht, die sich so zusammenfassen lassen: Wir planen in Bayern insgesamt zehn oder elf regionale DAB-Verbreitungsgebiete einzurichten, vier davon gibt es ja bereits seit vielen Jahren, um eine flächendeckende regionale DAB+-Versorgung möglich zu machen. Es ist uns aber auch klar, dass für eine Entscheidung pro DAB+ eine Reihe von Bedingungen erfüllt sein müssen. Gefordert sind dabei der öffentlich-rechtliche Rundfunk und die Politik. Vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk erwarten wir eine Reduzierung der Hörfunkwerbung auf 60 Minuten, den Verzicht eines Wechsels von DAB-Programmen auf UKW und eine zumindest vorübergehende Nutzung von öffentlich-rechtlichen Multiplexen für private Programme zu Fixpreisen. Davon profitiert auch der öffentlich-rechtliche Rundfunk, der ja auch sparen muss. Und zudem ist damit die Gleichwertigkeit in der technischen Versorgung sichergestellt. Von der Politik wünschen wir uns eine Förderung der privaten Anbieter in der Simulcast-Phase aus der Digitalen Dividende II. Diese Mittel sollten zeitlich begrenzt solange bereit gestellt werden, bis eine Hörfunknutzung auf DAB+ erreicht ist, die eine realistische Möglichkeit bietet, die privaten Programme erfolgreich vermarkten zu können. Auf europäischer Ebene muss verpflichtend die Einführung von Multichips in alle neuen Radios, einschließlich Autoradios und in allen Smartphones beschlossen werden. Und schließlich braucht es keinen konkreten UKW-Abschalttermin für private UKW-Angebote. Die Hörfunkverbreitung über UKW muss für die privaten Anbieter solange erhalten bleiben, solange sie UKW für eine erfolgreiche Vermarktung benötigen.
 
Förderung ist auch ein gutes Stichwort, wenn es um das lokale Fernsehen geht. Natürlich führen wir Gespräche im Hinblick auf die Verlängerung der in diesem Jahr auslaufenden Satellitenförderung aus dem Staatshaushalt. Da gibt es positive Signale, auch was die Förderung der HD-Verbreitung angeht. Eine endgültige Entscheidung wird aber erst bei den Haushaltsverhandlungen im Oktober oder November fallen.
 
Die Ausweitung der Satellitenverbreitung 2012/2013 hat sich bezahlt gemacht und innerhalb von zwei Jahren zu einer Verdoppelung der Satellitenreichweite geführt. Wir alle haben gedacht, dass das so weitergeht, und müssen heute feststellen, dass es nicht so ist. Im vergangenen Jahr betrug der Anteil der Satellitenhaushalte an der Tagesreichweite knapp 39 Prozent, in diesem Jahr beträgt er 34 Prozent. Wie ist das zu erklären? Einerseits mit einer statistischen Schwankungsbreite: Der Wert aus dem vergangenen Jahr war möglicherweise etwas zu hoch, der in diesem Jahr ist etwas zu niedrig, die Wahrheit liegt wahrscheinlich in der Mitte. Dazu kann kommen, dass HD-Programme im Satellitenbereich bei der Belegung bevorzugt werden und dass Satellitenzuschauer stärker an HD gewöhnt sind als Kabelzuschauer. Die Schlüsse, die wir alle daraus zu ziehen haben, sind dennoch eindeutig: Es bedarf auf allen Ebenen weiterer und vermehrter Anstrengungen, um die Menschen für das Lokalfernsehen zu gewinnen. Das geht bei der technischen Verbreitung an: Wenn die zukünftige Förderung aus dem Staatshaushalt die HD-Verbreitung einschließt, dann ist es Sache der Anbieter, die Voraussetzungen dafür zu schaffen. D.h., sie müssen bis Ende 2016 ihre Programme bis zum Play-Out-Center in HD-Qualität anliefern. Ein weiterer Punkt ist die Internet-Verbreitung, die aus unserer Sicht immer wichtiger wird und dringend ausgebaut werden muss. Wir werden hier Fördermöglichkeiten ausloten. Alle bestehenden Verbreitungsmöglichkeiten zu nutzen ist das Eine, man muss sie aber auch entsprechend bewerben und vermarkten.
 
Und wir erwarten weitere Anstrengungen im Hinblick auf die Qualität. Voraussetzung für ein gutes Programm sind gut ausgebildete Mitarbeiter. Das fängt bei der Aus- und Fortbildung an. Da laufen die Blockkurse für Volontäre im ersten Jahr sehr gut. Was dagegen nicht so gut läuft, ist der Blockkurs zum Digitaljournalismus für Volontäre im zweiten Jahr. Da erwarte ich in Zukunft deutlich mehr Engagement. Zumal es sich dabei um Inhalte handelt, die für eine erfolgreiche Zukunft der Sender besonders wichtig sind. Darüber hinaus sollten generell redaktionelle Qualitätsstandards festgelegt und regelmäßig überprüft werden. Wir brauchen auch Programmangebote für jüngere Zielgruppen. Ganz grundsätzlich muss jeder Sender darauf reagieren, dass die Mediennutzung einem deutlichen Wandel unterworfen ist. Jeder braucht eine Social-Media-Strategie, um auch Zuschauergruppen unterhalb des derzeitigen Altersschnitts anzusprechen. Sie könnten z.B. für Jugendliche bzw. junge Erwachsene Produktionskapazitäten bereitstellen zur Entwicklung neuer Programmformate oder zur Unterstützung der sendereigenen Onlineaktivitäten. Mir ist bewusst, dass das alles Geld kostet. Aber auch da muss man klar aussprechen: Wer einerseits Förderung erwartet und erhält, muss andererseits auch selbst bereit sein, zu investieren.
 
Ein zentrales Anliegen von uns allen muss es sein, die Vermarktung und die Werbe­einnahmen zu verbessern. Dazu haben wir eine Studie beauftragt, die im Frühjahr durchgeführt und deren Ergebnisse erstmals Anfang Juni in Regensburg vorgestellt wurden. Morgen Vormittag werden die Ergebnisse hier in Nürnberg noch einmal präsentiert. Die Quintessenz ist, dass man mit dem Abschneiden des lokalen Rundfunks, vor allem des Hörfunks, zufrieden sein kann, dass es aber auch immer noch etwas zu verbessern gibt. Und wir stellen fest, dass Online-Werbung eine harte Konkurrenz für den lokalen Rundfunk geworden ist und in den kommenden Jahren sehr wahrscheinlich weiter zulegen wird. Auffällig ist, dass Online-Angebote von Seiten des lokalen Rundfunks unterdurchschnittlich als Wettbewerber wahrgenommen werden, während die Einschätzung auf Kundenseite und bei der Budgetverteilung deutlich anders aussieht. Zudem ist bei der Untersuchung deutlich geworden, dass eine gute Betreuung für die Kunden wichtiger ist, als der Preis. D.h., Kunden wünschen sich individuell zuge­schnittene Angebote und keine statischen Pakete. Für den wirtschaftlichen Erfolg sind also nicht einzelne Faktoren verantwortlich, sondern die Gesamtqualität, die sich aus der Vermarktungsqualität, der Programmqualität und dem Gesamteindruck zusammensetzt. Daraus gilt es die richtigen Lehren zu ziehen.
 
Meine sehr geehrten Damen und Herren,
 
der lokale Rundfunk in Bayern steht nach wie vor gut da. Das gilt in besonderem Maße für den lokalen Hörfunk, der überhaupt sein bestes Ergebnis in 27 Jahren Funkanalyse erzielt hat. Ich denke, das ist einen kräftigen Applaus wert. Die Ergebnisse für das lokale Fernsehen hätten wir uns zwar besser gewünscht, aber auch hier gibt es keinen Grund, nicht optimistisch weiter zu arbeiten. Der lokale Rundfunk behauptet derzeit seine starke Position auch in der digitalen Transformation. Ich bin überzeugt, dass die lokalen und regionalen Inhalte weiter sehr wichtig sind für die Nutzer, aber auch, dass eigene digitale Produkte und Entwicklungen notwendig sind, um bei diesem rasanten Umwälzungsprozess erfolgreich zu bleiben. In den kommenden beiden Tagen erhalten Sie hierfür viele Anregungen. Nutzen Sie diese Chance.
 
Uns allen wünsche ich in den kommenden beiden Tagen interessante Veranstaltungen, spannende Diskussionen, anregende Gespräche und heute Abend ein entspanntes Medienfest im Germanischen Nationalmuseum. Möge die Macht mit Ihnen sein.