Cookie Hinweis
Zurück zur vorherigen Seite

Positionen & Reden

Archiv / Suche:

Zurück zur vorherigen Seite

Grußwort von BLM-Präsident Siegfried Schneider zum Mediengespräch Regensburg am 30. Januar 2018 Thema: „Smartphone: Zwischen Helfer und Stressfaktor“

31.01.2018 | P&R / 2018

Sehr geehrte Vertreterinnen und Vertreter der Regensburger Medien,
sehr geehrte Podiumsgäste,
meine sehr geehrten Damen und Herren,

ich freue mich, Sie heute im Namen der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien zum Mediengespräch Regensburg begrüßen zu dürfen. Mit dem Medienforum Ostbayern waren wir schon in den letzten Jahren zu Gast in Regensburg, in der Regel mit einem fach­spezifischen Thema aus dem Bereich E-Commerce. Dieses Jahr sind erstmals die lokalen Radio- und Fernsehsender als Partner an Bord, denen ich für ihre Kooperationsbereitschaft herzlich danken möchte. Das DEGGINGER, eine zentral gelegene Location für Kulturevents und Kreative bietet den richtigen Rahmen für ein Mediengespräch, zu dem wir heute auch viele Regensburgerinnen und Regensburger begrüßen.

Wir haben uns bewusst für ein publikumswirksames Thema entschieden, das uns alle angeht und zunehmend Relevanz für die gesellschaftliche Entwicklung gewinnt. In Beruf, Familie oder Freizeit: Wer kann heute noch länger auf sein Smartphone verzichten? So nützlich es ist, so störend und stressig kann es manchmal sein, wenn wir immer und überall vernetzt sind. Das Smartphone bewegt sich also irgendwo „zwischen Helfer und Stressfaktor“. Es geht uns in der heutigen Diskussion nicht darum, das Gerät zu verteufeln, sondern über den Umgang damit nachzudenken.

2007 kam mit dem iphone das erste Smartphone auf den Markt. Ironie des Schicksals: Gut zehn Jahre später beginnen ausgerechnet Aktionäre des iphone-Erfinders Apple und sogar Apple-Chef Tim Cook selbst vor Dauernutzung und den Folgen wie Konzentrationsproblemen und Stress zu warnen. Viele Eltern dürften angesichts dieser unerwarteten Schützenhilfe aus dem Silicon Valley erleichtert sein, denn die ständige Auseinandersetzung mit den Kindern über Nutzungszeiten und den Umgang mit Smartphone & Tablet kann nervenaufreibend sein. Außerdem sind Eltern auch nicht immer ein gutes Vorbild: Ob es darum geht, am Esstisch schnell die Nachrichten zu checken, im Auto ohne Freisprechanlage zu telefonieren oder mitten auf der Piste tolle Schnappschüsse zu posten - der Vielzahl der Reize und dem engen Takt der „Pling“-Laute erliegen auch viele Erwachsene.

Ein Leben ohne mobilen Internetzugang ist heute für viele Menschen unvorstellbar. Nach den Ergebnissen der Studie Jugend, Information, Medien 2017, kurz JIM-Studie, gehen vier von fünf Jugendlichen zwischen 12 und 19 Jahren täglich mit dem Smartphone ins Netz. Und jeder von uns sieht im Durchschnitt achtzig Mal am Tag auf das Display seines Smartphones, so das Ergebnis einer Studie von Alexander Markowetz aus dem Jahr 2016. Whatsappen, googeln, chatten oder telefonieren: Die digitalen Begleiter verbinden uns mit der Außenwelt - mit Familie, Freunden, Clique oder Arbeitgebern.

Und stets begleitet uns dabei die Angst, etwas zu verpassen in dieser Welt da draußen. Oder um es pointiert mit unserem Keynote-Speaker Dr. Volker Busch zu formulieren: Wir sind „unter Strom und ständig online“, so dass sich unser Gehirn permanent zwischen Reizflut und Multitasking bewegt. Ich möchte an dieser Stelle die Gelegenheit nutzen, Herrn Dr. Busch und unsere Podiumsgäste herzlich zu begrüßen und für ihr Kommen zu danken. Wir dürfen gespannt sein, welche Wege sie uns aus dem „digitalen Alltagsstress“ aufzeigen oder ob sie dies überhaupt für notwendig halten.

Zweifellos haben die digitalen Helfer eine Reihe positiver Eigenschaften: Als Organizer und Mailzentrale sind sie aus dem Berufsleben nicht mehr wegzudenken. Sie ermöglichen flexible Arbeitszeiten und –orte, setzen die Arbeitnehmer aber auch unter Daueranspannung und Stress, so dass große Konzerne bereits die Mail-Nutzungszeiten beschränkt haben oder darüber nachdenken. Auch im Privatleben erweisen sich die Smartphones als praktische Alltagshelfer: Sie ermöglichen Kontakte in die ganze Welt, bieten rund um die Uhr aktuelle Informationen, ersetzen den Fotoapparat oder weisen einem den Weg.

Für Jugendliche ist das Handy noch weit mehr als ein funktionales „Gerät“, es gehört zum Leben einfach dazu. Ohne YouTube-Zugriff oder die Präsenz auf Instagram und Snapchat fühlen sie sich schnell sozial isoliert. Viele Eltern unter Ihnen kennen vermutlich auch die Diskussionen über Flatrates oder WLAN-Anbindungen genau. O-Ton eines 13-Jährigen: „Wieso soll ich mich draußen bewegen? WLAN habe ich doch auch im Garten. Da bin ich genauso an der frischen Luft.“

Auch die Art der Selbstdarstellung in den sozialen Netzwerken bewegt viele Menschen. Denn mit dem Smartphone in der Hand verändert sich nicht nur unsere generelle Wahrnehmung. Es verändert sich auch die Art, in der wir uns selbst darstellen, um in einer bestimmten Art und Weise von der Gesellschaft wahrgenommen zu werden. Und das gilt nicht nur für Jugendliche. Ganz gleich ob WhatsApp, Twitter, Facebook, Instagram oder Snapchat: Wir inszenieren ständig das Bild, das sich die Öffentlichkeit von uns machen soll. Verbunden ist damit auch die Gefahr von Cybermobbing: Ausgrenzung gab es schon immer, aber im Schutz der vermeintlichen Anonymität des Internets hat das Mobbing zugenommen. Mit aktuellen Fällen von Mobbing gegen Lehrer an Regensburger Schulen auf der Fotoplattform Instagram beschäftigt sich nach Berichten der Mittelbayerischen Zeitung gerade die Regensburger Polizei.

Wenn Unruhe, Stress, Abhängigkeit oder auch Cybermobbing als mögliche Folgen der Nutzung von Smartphone & Co. jetzt stärker in den Fokus gesellschaftlicher Diskussionen rücken, hat das nichts mit Technikfeindlichkeit zu tun, sondern ist ein notwendiges Zeichen von Verantwortungsbewusstsein. Wer mehr weiß, profitiert mehr und verhält sich vielleicht anders. Unter dieser Maxime lädt die BLM an verschiedenen Orten in Bayern gemeinsam mit den lokalen Sendern zur Diskussion über Themen ein, die vielen Mediennutzern unter den Nägeln brennen. Ich bin gespannt, wie die Diskussion mit unseren Gästen hier in Regensburg verläuft.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

mal ehrlich: Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, Ihr Handy für ein paar Stunden in den Offline-Modus zu stellen und es dann zu genießen, nicht erreichbar zu sein? Vielleicht ist das ja ein Vorschlag, den auch der Neurologe Dr. Busch als einen Weg aus dem digitalen Dauerstress sieht, an den ich jetzt das Wort übergeben möchte.

Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!