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Grußwort von BLM-Geschäftsführer Martin Gebrande zur Fachtagung „#Politainment – Wie bilden sich Jugendliche eine Meinung?“ am 16. Mai 2018

16.05.2018 | P&R / 2018

Anrede,

willkommen zur 4. Fachtagung Jugendschutz- und Nutzerkompetenz in der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien! Mein Name ist Martin Gebrande, ich bin der Geschäftsführer der Landeszentrale. Anstelle unseres Präsidenten Siegfried Schneider darf ich Sie heute ganz herzlich hier begrüßen!

„Wie bilden sich Jugendliche ihre – politische – Meinung?“ Diese Frage steht im Mittelpunkt unserer Veranstaltung. Damit möchten wir nicht zuletzt auch einen Beitrag zum bayerischen Jubiläumsjahr 2018 leisten: Schließlich feiern wir heuer 200 Jahre Verfassungsstaat und 100 Jahre Freistaat Bayern. Außerdem stehen Mitte Oktober die Wahlen zum Bayerischen Landtag an. Alle Bürgerinnen und Bürger – und ganz besonders die Erstwähler – sind dazu aufgerufen, sich mit den Programmen der politischen Parteien auseinanderzusetzen. Auch und gerade in politisch eher unruhigen Zeiten ist das wichtiger denn je. Mit Sicherheit ist die Thematik nicht zuletzt eine besondere Herausforderung für Lehrerinnen und Lehrer, die im Unterricht mit diesen Themen konfrontiert werden. Auch dazu möchte unser Fachtag heute Impulse geben.

Bevor es gleich losgeht, will ich Ihnen ein paar neue Ergebnisse (von Ende März 2018) aus der Mediengewichtungsstudie der Medienanstalten vorstellen. Mit dieser Studie untersuchen die Medienanstalten regelmäßig die Relevanz der klassischen und der sozialen Medien für die politische Meinungsbildung. Die aktuellen Ergebnisse sprechen – vor allem bezogen auf die junge Zielgruppe – für sich:

Für die Jüngeren sind Onlineangebote bereits die mit Abstand wichtigste Informationsquelle. Über 60 Prozent der befragten 14- bis 29-Jährigen bezeichnen das Internet als das für sie wichtigste Informationsmedium. Das Fernsehen nennen in dieser Altersgruppe gerade einmal knapp 13 Prozent.

Die Studie fragt außerdem: Inwieweit werden soziale Netzwerke, Instant Messenger, Suchmaschinen und Videoportale zur Meinungsbildung genutzt? Das Ergebnis überrascht wenig: Die 14- bis 29-Jährigen tun das deutlich öfter als die Gesamtbevölkerung. Facebook nutzen in dieser Altersgruppe 29 Prozent zur Information (statt 13 Prozent bei der Gesamtbevölkerung), Google 43 Prozent (statt 23 Prozent bei der Gesamtbevölkerung). Auch YouTube ist für 17 Prozent der jungen Zielgruppe ein relevantes Informationsmedium, und sogar Instagram mit 10 Prozent.

Ein weiterer Schwerpunkt der MedienGewichtungsStudie ist die Messung von Einstellungen zur Nutzung sozialer Medien für die Information und Meinungsbildung. Die große Mehrheit derjenigen, die sich in sozialen Medien informieren, gibt sich dabei reflektiert: So achten 93 Prozent auf Falschmeldungen. 82 Prozent geben an, die erhaltenen Informationen mittels eines Vergleichs mit den Inhalten der klassischen Medien zu überprüfen. 76 Prozent teilen die Sorge, durch Kommentare anderer Nutzer einen falschen Eindruck von der vorherrschenden Meinung zu bekommen. Auf der anderen Seite geben aber auch 18 Prozent der Befragten an, den Meldungen in sozialen Medien eher zu vertrauen als denen in den klassischen Medien wie Fernsehen, Radio oder Zeitungen.

Keine Frage, die „Macht der vernetzten Vielen“ in den sozialen Netzwerken gewinnt zunehmend an Einfluss auf die politische Meinungsbildung bei Jugendlichen. Wie Social-Media-Angebote Informiertheit und Meinungsbildung verändern, ob sie gar die Polarisierung der Gesellschaft verstärken – dazu gibt es gleich eine Keynote von Prof. Wolfgang Schweiger von der Universität Hohenheim.

Nicht wenige bezeichnen die Sozialen Medien übrigens schon als „Fünfte Gewalt“. Diese Macht möchten natürlich auch politische Akteure aller Parteien für sich nutzen. Im Bundestagswahlkampf 2017 durfte beispielsweise der YouTuber LeFloid (3.114.882 Abonnenten am 24.04.2018) erstmals die Bundeskanzlerin interviewen. Was zu Wahlkampfzeiten alles an „Politainment“ und medialer Inszenierung im Netz zu beobachten ist, ist Thema des Vortrags von Dr. André Haller von der Universität Bamberg.

Welche Herausforderungen sich durch die neuen Medien für die Politische Bildung in der Schule ergeben, steht im Mittelpunkt einer ersten Gesprächsrunde vor dem Mittagessen. Es diskutieren Simone Fleischmann, Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands, Filippos Papageorgiou, Landesschülersprecher der beruflichen Schulen in Bayern, Michael Schwägerl, Vorsitzender des Bayerischen Philologenverbands und Mitglied des BLM-Medienrats, sowie Florian Schwegler, Landesschülersprecher der Gymnasien in Bayern.

In den Nachmittag starten wir mit einem Exkurs mit dem Titel „Jugendmedienschutz und politischer Extremismus“. Es ist kein Geheimnis, dass Hass und Hetze im digitalen Raum leider besonders gut gedeihen. Aus dem Grund ist auch bei der Landeszentrale die Zahl der Prüf- und Aufsichtsverfahren im Bereich des Rechtsextremismus in den letzten Jahren gestiegen. An einen Praxisbericht von Maria Monninger, Referentin im Bereich Medienkompetenz und Jugendschutz der BLM, schließt sich ein Vortrag zum Thema von Dr. Miriam Heigl an. Sie ist Leiterin der Fachstelle für Demokratie – gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Menschenfeindlichkeit bei der Stadt München.

Unser Abschlusspodium mit dem Journalisten Mirko Drotschmann, der im Internet den Kanal „MisterWissen2Go“ anbietet, der „logo“-Moderatorin Linda Joe Fuhrich und der Direktorin der Akademie für Politische Bildung in Tutzing, Frau Prof. Ursula Münch wird darüber diskutieren, wie und wo Medien heute jungen Menschen politische Informationen vermitteln.

Tatsache ist auf jeden Fall: Über die klassische „Tagesschau“ erreichen politische Botschaften junge Leute eher weniger. Der oder die durchschnittliche Tagesschau-Zuschauer/Zuschauerin ist heute 64 Jahre alt (Quelle: Prof. Lars Harden, aserto, Jan. 2018). Eine recht erfolgreiche TV-Nachrichtensendung bei den 14- bis 29-Jährigen (Quelle: AGF in Zusammenarbeit mit GfK) ist übrigens „RTLII News“ mit Marktanteilen von bis zu 25 Prozent in der jungen Zielgruppe. Das Konzept der Sendung setzt seit mehr als zwei Jahren auf Crossmedialität und einen intensiven Kontakt mit den Zuschauern über Social Media.

Meine Damen und Herren, auch wenn sich viele, die heute hier im Raum sind – da schließe ich mich selbst gar nicht aus – noch sehr gerne über klassische Medien informieren, steht fest: Fernseh-, Hörfunk- und Zeitungsredaktionen müssen an ihren Angeboten arbeiten, wenn sie im Informationsmix junger Leute eine Rolle spielen wollen. Nur so haben sie eine Chance, mit ihren Fakten Social Media bei der politischen Meinungsbildung etwas entgegenzusetzen. Damit Online-Angebote nicht zum Rattenfänger werden, wie wir die Problematik auf dem Einladungsflyer zu unserer Veranstaltung etwas pointiert visualisiert haben.

Zum Schluss möchte ich noch auf unsere Ideenbörse im Foyer hinweisen. Hier finden Sie viele weiterführende Informationen und Material zum Thema – unter anderem unsere Algorithmus-Broschüre, Informationen zum Medienführerschein Bayern oder die brandneue Ausgabe unseres Magazins Tendenz. Nutzen Sie die Mittagspause, um dort vorbeizuschauen!

Nun bleibt mir nur noch, allen Referentinnen und Referenten sehr herzlich zu danken! Bevor ich an die Moderatorin, Judith Horchert von Spiegel Online, übergebe, folgt jetzt ein kurzer Einspieler: Am Münchner Asam-Gymnasium haben wir Jugendliche der 9., 10., 11. und 12. Jahrgangsstufe vor ein paar Wochen dazu befragt, wie und wo sie sich über Politik informieren.

Ihnen allen eine interessante Veranstaltung und vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!