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Finanzierungsmodelle Fernsehen - Dieter Hahn: "Wenn wir so weitermachen, ist Pay TV gescheitert"

15.10.1998 | 1998

München. 1999 wird sich nach Auffassung des Geschäftsführers der Münchner KirchGruppe, Dr. Dieter Hahn, die Zukunft des bezahlten digitalen Fernsehens in Deutschland entscheiden. "Wenn wir noch ein Jahr so weitermachen wie bisher, ist Pay TV gescheitert. Heute aber ist noch alles offen." Beim BLM-Rundfunkkongreß bezeichnete Hahn das Verhalten von Kabelnetzbetreibern wie o.tel.o. sowie das Verhalten der ARD als "destruktiv".

Bei der Diskussion ging es um die Frage, wie die Erlössituation der privaten Fernsehsender in Deutschland verbessert werden kann. Insbesondere die kleinen Spartensender wie tm3 oder n-tv fordern ein Modell nach amerikanischem Vorbild, um ihre hohen Anlaufverluste zu amortisieren. Dort sind die meisten TV-Kanäle an den Einnahmen der Kabelnetzbetreiber beteiligt. Daher ruhen ihre Hoffnungen auf der für Anfang 1999 vorgesehenen Regionalisierung und Teilveräußerung des Telekom-Kabelnetzes. tm3-Geschäftsführer Jochen Kröhne sprach von einem notwendigen "Paradigmenwechsel".

Hans-Willi Hefekäuser, Geschäftsführer bei der Telekom AG, nannte mehrere Voraussetzungen für ein Geschäftsmodell nach US-Vorbild. So müsse die Belegung der Kabelnetze in Zukunft durch den Kabelbetreiber selbst erfolgen. Au-ßerdem seien Preiserhöhungen bei den Kunden unvermeidbar.

Prof. Dr. Klaus Schrape vom Baseler Prognos-Institut plädierte ebenfalls für eine neue Rolle der Kabelnetzbetreiber. Sie müßten stärkere Gestaltungsspielräume bekommen. "Solange den Kabelnetzbetreibern keine ausreichenden Refinanzierungs-Perspektiven geboten werden, wird ihr Beitrag zur Entwicklung des digitalen Fernsehens auf Sparflamme bleiben."

Kirch-Geschäftsführer Hahn nannte fünf Bedingungen für eine wirtschaftlich erfolgreiche Fernsehzukunft: Verzicht auf TV-Werbung bei ARD und ZDF, Aufhebung der restriktiven Werberichtlinien für den privaten Rundfunk, Gleichstellung von privaten und öffentlich-rechtlichen Anbietern bei der Kabeleinspeisung, Beschränkung der gesetzlich festgelegten "must carry"-Programme im Kabel auf ein Mindestmaß sowie Abbau der Regulierungsdichte im TV-Sektor. Zudem müßten die zum Großteil im Verband ANGA zusammengeschlossenen Netzbetreiber ihre "Hausaufgaben" machen "ihre Probleme selbst lösen". o.tel.o.-Geschäftsführer Peter B. Záboji betonte, daß sein Unternehmen rund eine Milliarde Mark in die Infrastruktur seines Netzes investieren will, um es zu einem echten Breitbandangebot mit zahlreichen Dienstleistungen auszubauen. Er sei "gesprächsbereit".

n-tv-Geschäftsführer Karl-Ulrich Kuhlo warnte davor, aus finanziellen Gründen ARD und ZDF die Vorreiterrolle bei Investitionen in die digitale Infrastruktur zu überlassen. Dadurch werde ihre marktverhindernde Position auf Dauer zementiert. Premiere-Geschäftsführer Ferdinand Kayser betonte, daß "Pay TV die Rolle des Dosenöffners" bei der Erschließung neuer Finanzierungsquellen und des digitalen Fernsehmarktes hat.